Schwaebische Zeitung (Tettnang)

Lang le­be der Weih­nachts­stern

- Ti­na Bal­ke Von Ire­na Güt­tel Botany · Gardening · Biology · Science · Lifestyle · Lake Constance · United States of America · Rebecca Black · Germany · Erlangen · Friedrich-Alexander-University, Erlangen-Nuremberg

Ne­ben Leb­ku­chen und Ker­zen­schein ge­hört für vie­le Men­schen auch der Weih­nachts­stern mit sei­nen schö­nen ro­ten Hoch­blät­tern zur Ad­vents­zeit.

Ob­wohl die Ver­kaufs­sai­son für die­se Pflan­ze auf ein paar Wo­chen be­grenzt ist, ge­hört sie nach der Or­chi­dee zu der be­lieb­tes­ten Zim­mer­pflan­ze der Deut­schen. Mehr als 30 Mil­lio­nen Stück kau­fen wir jähr­lich. Und was pas­siert mit die­sen Pflan­zen nach den Fei­er­ta­gen? Meis­tens lan­den sie zu­sam­men mit dem Tan­nen­baum auf dem Grün­müll. Im Un­ter­schied zu die­sem, wel­cher durch den Na­del­ver­lust kein Au­gen­schmaus mehr ist, sieht der Weih­nachts­stern zu die­sem Zeit­punkt oft noch gut aus. Scha­de, wenn ei­ne ge­sun­de Pflan­ze ent­sorgt wird, nur weil sie nicht mehr zur De­ko­ra­ti­on passt. Wenn Sie für sich ei­nen an­de­ren Weg wäh­len wol­len und sich über die dies­jäh­ri­ge Weih­nachts­zeit hin­aus dar­an er­freu­en möch­ten, hier mei­ne Tipps für die rich­ti­ge Pfle­ge bis zum Früh­jahr:

1. Ba­den statt Du­schen: Tau­chen sie den Blu­men­topf re­gel­mä­ßig in lau­war­mes Was­ser und las­sen ihn gut ab­trop­fen. Die Er­de darf da­zwi­schen ru­hig mal 1-2 Ta­ge tro­cken sein. Denn Stau­näs­se för­dert Wur­zel­fäu­le und schnell hän­gen dann die Blät­ter her­ab.

2. So­la­ri­um – nein Dan­ke! Von oben di­rek­te Son­nen­ein­strah­lung durchs Fens­ter und von un­ten war­me Hei­zungs­luft und schon rie­seln die Blät­ter ab. Schnel­le Ab­hil­fe schafft ei­ne Stand­or­tän­de­rung.

3. Bahn­stei­g­at­mo­sphä­re – geht gar nicht! Bei zu­gi­ger, kal­ter Luft, auch kurz­zei­tig beim Fens­ter­öff­nen, wirft der Weih­nachts­stern schnell sei­ne Blät­ter ab. Wer ihn dar­über hin­aus be­hal­ten möch­te, kann die­se mehr­jäh­ri­ge Pflan­ze im April zu­rück­schnei­den, im Frei­en „über­som­mern“las­sen und ab Ok­to­ber für 14 St­un­den täg­lich dun­kel stel­len. So be­ste­hen gu­te Chan­cen, dass die­ser Stern in der nächs­ten Win­ter­sai­son wie­der far­big er­strahlt.

Ti­na Bal­ke ist Pflan­zen­ärz­tin. An sie wen­den sich Gar­ten- und Zim­mer­pflan­zen­be­sit­zer eben­so wie Pro­fi­gärt­ner, die Pro­ble­me mit er­krank­ten oder schäd­lings­be­fal­le­nen Pflan­zen ha­ben und wis­sen wol­len, wie sie die­se wie­der los­wer­den. Die Di­plom-Agrar­in­ge­nieu­rin und pro­mo­vier­te Phy­to­m­edi­zi­ne­rin bie­tet Pflan­zen­sprech­stun­den on­li­ne, Vor­trä­ge und in der Re­gi­on Bo­den­see-Ober­schwa­ben auch Gar­ten­be­ra­tun­gen vor Ort an: www.die-pflan­zena­erz­tin.de

Die Ver­su­chun­gen sind all­ge­gen­wär­tig. Die Schau­fens­ter in der Fuß­gän­ger­zo­ne wer­ben mit der neus­ten Mo­de und mo­derns­ten Tech­nik­ge­rä­ten. Drei T-Shirts zum Preis von zwei, Smart­pho­nes 16 Pro­zent güns­ti­ger – ir­gend­ei­ne Son­der­ak­ti­on gibt es im­mer. Spä­ter lo­cken im Su­per­markt zwei Ki­lo Oran­gen im An­ge­bot, beim Bä­cker gibt es beim Kauf von fünf Bröt­chen das sechs­te gra­tis da­zu. Und zu Hau­se geht es wei­ter: Denn dank In­ter­net kön­nen wir auch nach Ge­schäfts­schluss noch auf Schnäpp­chen­jagd ge­hen.

Zu wi­der­ste­hen fällt selbst Chris­tof Herr­mann manch­mal schwer. „Es ist schwie­rig“, sagt der 48jäh­ri­ge Nürn­ber­ger. „Der Kon­sum ist stän­dig um uns her­um.“Doch Herr­mann hat ge­lernt, sich in Ver­zicht zu üben. Er be­zeich­net sich selbst als Mi­ni­ma­lis­ten. In ei­nem Blog be­schreibt er, wie sein Le­ben sich da­durch ge­wan­delt hat. „Ich be­sit­ze ei­gent­lich nur Din­ge, die ich brau­che oder ge­brau­che“, sagt er. Be­vor er et­was Neu­es kauft, über­legt er lan­ge, ob das wirk­lich sein muss. Nie kauft er et­was spon­tan, aus ei­ner Lau­ne her­aus.

Genau das will auch der welt­wei­te „Buy Not­hing Day“er­rei­chen. Die­ser ruft je­des Jahr En­de No­vem­ber da­zu auf, ei­nen Tag lang kein Geld aus­zu­ge­ben, um so die Men­schen für ein nach­hal­ti­ge­res Kauf­ver­hal­ten zu sen­si­bi­li­sie­ren. In den USA fällt der Tag be­wusst auf den Tag nach Thanks­gi­ving, den „Black Fri­day“, an dem dort tra­di­tio­nell das Weih­nachts­ge­schäft be­ginnt, und die Händ­ler den Kon­sum­rausch mit vie­len Son­der­ak­tio­nen be­feu­ern. In Deutsch­land und an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern ist der „Kauf-Nix-Tag“– so der deut­sche Na­me – ei­nen Tag spä­ter, am letz­ten Sams­tag im Mo­nat.

Von ei­nem Um­den­ken sind wir nach An­sicht des Nach­hal­tig­keits­ex­per­ten Mat­thi­as Fif­ka noch weit ent­fernt. „Wir le­ben in ei­ner Weg­werf­ge­sell­schaft“, sagt der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler von der Uni­ver­si­tät Er­lan­gen. Die Pro­duk­ti­ons­lo­gik sei dar­auf aus­ge­rich­tet, dass et­was her­ge­stellt, ver­wen­det und dann ent­sorgt wer­de. Dar­an hat aus sei­ner Sicht auch die Co­ro­naK­ri­se nichts ge­än­dert. „Ich glau­be nicht, dass das ein Be­schleu­ni­ger des Kon­sum­ver­zichts ist.“

Über Wo­chen wa­ren im Früh­jahr die Ge­schäf­te ge­schlos­sen. Die Men­schen hat­ten mehr Zeit, sich auf das We­sent­li­che zu be­sin­nen. Es wur­de wie­der mehr ge­bas­telt, ge­ver­treib

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