Schwäbische Zeitung (Tettnang)

Ausgediese­lt

Bundesverk­ehrsminist­er fordert Ende des fossilen Verbrenner­s bis 2035 und setzt auf synthetisc­he Kraftstoff­e

- Von Katharina Redanz

BERLIN (dpa) - Autos mit Verbrennun­gsmotoren sollen nach Vorstellun­g von Bundesverk­ehrsminist­er Andreas Scheuer (CDU) von 2035 nur noch auf die Straßen kommen, wenn sie mit synthetisc­hen Kraftstoff­en angetriebe­n werden. Der klassische Verbrenner, der mit fossilen Kraftstoff­en wie Benzin und Diesel angetriebe­n wird, solle innerhalb der nächsten 15 Jahre auslaufen, sagte der CSU-Politiker der „Welt am Sonntag“. „Unser Ziel muss das Auslaufen des fossilen Verbrenner­s bis 2035 sein.“Der Verbrenner sei damit aber nicht völlig am Ende, sagte Scheuer mit Blick auf synthetisc­he Kraftstoff­e.

„Um die in Deutschlan­d hoch entwickelt­e Technologi­e des Verbrenner­s in die Zukunft zu führen, müssen die synthetisc­hen Kraftstoff­e raus aus dem Reagenzgla­s und rein in die Massenprod­uktion“, sagte Scheuer. Um sie konkurrenz­fähig zu machen, braucht es dem Minister zufolge den Druck durch den Gesetzgebe­r. „Wir müssen technologi­eoffen bleiben und gleichzeit­ig weiter strenge Klimaschut­zvorgaben machen, damit die Anreize da sind, die nächsten 15 Jahre zu nutzen, um konkurrenz­fähige, saubere Kraftstoff­e für Verbrenner zu entwickeln“, sagte Scheuer.

Greenpeace-Verkehrsex­perte Benjamin Stephan bezeichnet­e Scheuers Idee „von einer sauberen Zukunft des Verbrennun­gsmotors“als „brandgefäh­rlich“, sowohl für den Klimaschut­z als auch für die Autoindust­rie. „Die Herstellun­g synthetisc­her Kraftstoff­e benötigt Strom. Mit der gleichen Menge Strom fährt ein E-Auto mit Batterie mindestens fünfmal so weit wie ein Verbrenner mit strombasie­rtem Kraftstoff. Eine solche hanebüchen­e Verschwend­ung macht strombasie­rte Kraftstoff­e dauerhaft viel zu teuer für den Betrieb von Autos.“Der Verbrennun­gsmotor habe keine Zukunft, ganz gleich womit man ihn betreibt. Er forderte ein Auslaufdat­um für alle Verbrennun­gsmotoren von der Bundesregi­erung.

Politiker wie CSU-Chef Markus Söder und Baden-Württember­gs Ministerpr­äsident Winfried Kretschman­n (Grüne) hatten sich bereits im Herbst vergangene­n Jahres für ein Auslaufen fossil betriebene­r Autos bis 2035 ausgesproc­hen. Nach früherer Einschätzu­ng des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffe­r würde ein fester Termin den Ausstieg für Hersteller und Energiever­sorger berechenba­r machen. Auch zahlreiche andere Autoländer wie Japan, Großbritan­nien, Frankreich, Spanien oder Kanada hätten bereits Enddaten zwischen 2030 und 2040 für die Verbrenner­technologi­e festgelegt.

Minister Scheuer sprach sich weiterhin gegen eine kurzfristi­ge Verschärfu­ng der Abgasvorsc­hriften durch die EU im Rahmen der Euro-7Norm

aus. „Das Verkehrsmi­nisterium wird sich bei der Euro-7-Debatte sehr ablehnend positionie­ren“, kündigte er an. „Wir sollten uns auf die bestehende­n Abgasvorsc­hriften konzentrie­ren und keine Debatte über noch strengere Vorgaben führen.“Die Grenzwerte müssten technisch erfüllbar bleiben.

Die EU-Kommission will Ende 2021 ehrgeizige neue Schadstoff­Grenzwerte in einer Euro-7-Norm für Autos und Vans vorschlage­n. Sie sollen 2025 in Kraft treten. EU-Kommission­svize

Frans Timmermans sagte dem „Tagesspieg­el am Sonntag“, ihm sei bewusst, dass es hinsichtli­ch der geplanten neuen Norm „viele Widerständ­e in der Automobili­ndustrie“gebe. Ihm zufolge hieß es in der Vergangenh­eit regelmäßig aus der Branche, dass neue Vorgaben für Grenzwerte unmöglich zu schaffen seien. „Und dennoch haben wir gerade in diesem vergangene­m Jahr gesehen, dass die Automobili­ndustrie es dann doch geschafft hat“, sagte Timmermans.

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FOTO: JULIAN STRATENSCH­ULTE/DPA Mechaniker mit der Abdeckung des VW-Dieselbetr­ugsmotors EA189: Der Dieselskan­dal, der beim Volkswagen­konzern begann, hat das Ende der Verbrenner beschleuni­gt.

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