„Die Bahn hat kei­nen Rechts­an­spruch“

Ver­kehrs­mi­nis­ter Her­mann: Land über­nimmt bei Stutt­gart 21 kei­ne Mehr­kos­ten

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WIR IM SÜDEN -

BERLIN - Kei­ne Be­tei­li­gung des Lan­des an Mehr­kos­ten für Stutt­gart 21, zah­len sol­len Bahn und Bund – dar­an hält Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) fest – auch wenn die Bahn nun kla­gen will (sie­he Mel­dung rechts). Ras­mus Buch­stei­ner hat ihn be­fragt.

Die Bahn will ei­ne hö­he­re Be­tei­li­gung un­ter an­de­rem des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg bei S 21 vor Ge­richt durch­set­zen. Wie se­hen Sie die­sem Rechts­streit ent­ge­gen?

Wir ha­ben da in der Lan­des­re­gie­rung ei­ne ganz kla­re Li­nie: Wir wer­den kei­ne wei­te­ren Kos­ten über die ver­ein­bar­ten ma­xi­mal 930 Mil­lio­nen Eu­ro hin­aus über­neh­men. Auch las­sen sich die Pro­jekt­part­ner Land, Stadt Stutt­gart, Re­gi­on Stutt­gart und Flug­ha­fen nicht aus­ein­an­der­di­vi­die­ren. Al­le ha­ben bis­her frei­wil­lig be­stimm­te Fi­nan­zie­rungs­bei­trä­ge für Stutt­gart 21 zu­ge­sagt. Dar­über wol­len und wer­den wir nicht hin­aus­ge­hen. Die Deut­sche Bahn hat kei­nen Rechts­an­spruch auf wei­te­re Zah­lun­gen. Gleich­wohl kann die Bahn in ei­nem Rechts­staat ver­su­chen, ih­re In­ter­es­sen durch Kla­gen ge­gen die Part­ner zu ver­fol­gen. Wir se­hen der Aus­ein­an­der­set­zung vor Ge­richt ge­las­sen ent­ge­gen.

Sind nicht al­le Pro­jekt­part­ner ge­mein­sam in der Ver­ant­wor­tung?

Schon be­vor der Auf­sichts­rat 2013 ent­schie­den hat, das Pro­jekt trotz der da­mals schon be­kann­ten zwei Mil­li­ar­den Eu­ro Mehr­kos­ten wei­ter­zu­ver­fol­gen, ha­ben wir klar­ge­macht, dass wir uns an zu­sätz­li­chen Kos­ten nicht be­tei­li­gen wer­den. Die Deut­sche Bahn und der Bund als ihr Ei­gen­tü­mer wis­sen schon lan­ge, woran sie sind. Es wa­ren die Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und ihr Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le, die trotz der ge­wal­ti­gen Mehr­kos­ten ei­ne Fort­füh­rung des Pro­jekts durch­ge­setzt ha­ben. Jetzt sind sie in der Pflicht, für die fi­nan­zi­el­le Ab­si­che­rung zu sor­gen. Die Bahn will ge­ra­de ein­mal 35 Pro­zent der Mehr­kos­ten über­neh­men, den Rest sol­len die Pro­jekt­part­ner tra­gen. Das leh­nen wir ab.

Wel­chen Ein­fluss wird der Fi­nanz­streit auf das Pro­jekt ha­ben? Hal­ten Sie gar ei­nen Baustopp für mög­lich?

Nein. Auf den Fort­gang des Baus wird die ju­ris­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung kei­ne Aus­wir­kun­gen ha­ben. Das Pro­jekt wird von der Bau­her­rin Bahn fort­ge­führt. So hat es der Auf­sichts­rat be­schlos­sen. So steht es auch im Fi­nan­zie­rungs­ver­trag. Jetzt muss auch der Bund ent­spre­chend sei­ner po­li­tisch mo­ti­vier­ten In­ter­ven­ti­on im Jahr 2013 sei­ner Fi­nanz­ver­ant­wor­tung ge­recht wer­den und die Mehr­kos­ten zah­len.

FOTO: RO­LAND RASEMANN

Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) hat im Streit mit der Bahn das grün-schwar­ze Ka­bi­nett hin­ter sich.

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