Was sind „Cum-Ex“- und „Cum-Cum“-Ge­schäf­te?

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WIRTSCHAFT -

Hin­ter­grund der An­fang 2012 ge­stopp­ten „Cum-Ex“-Ka­rus­sell-Ge­schäf­te ist die Be­steue­rung von Di­vi­den­den. Im Kern lie­ßen die Be­tei­lig­ten un­ter­ein­an­der Ak­ti­en zir­ku­lie­ren, bis dem Fis­kus nicht mehr klar war, wem sie ge­hör­ten. Bei den auch „Di­vi­den­den­s­trip­ping“ge­nann­ten Ge­schäf­ten wur­den Ak­ti­en mit („cum“) und oh­ne („ex“) Di­vi­den­den­an­spruch rund um den Tag der Haupt­ver­samm­lung zwi­schen Be­tei­lig­ten hin- und her­ver­scho­ben. An die­sem Stich­tag le­gen bör­sen­no­tier­te Un­ter­neh­men die Hö­he der Ge­winn­aus­schüt­tung an ih­re Ak­tio­nä­re fest. Durch das Ver­schie­ben hat­ten meh­re­re An­le­ger zum glei­chen Zeit­punkt den Ein­druck ver­mit­telt, Ei­gen­tü­mer der Ak­tie zu sein. Ein Ak­tio­när be­kam von sei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft nur die Net­to-Di­vi­den­de aus­ge­schüt­tet. Die Steu­er von 25 Pro­zent auf die Di­vi­den­de be­hielt die Ge­sell­schaft ein und führ­te sie ans Fi­nanz­amt ab. Im Ge­gen­satz zu pri­va­ten Ak­tio­nä­re konn­ten sich Ban­ken und an­de­re Fi­nanz­dienst­leis­ter die ab­ge­zo­ge­ne Ka­pi­tal­er­trag­steu­er zu­rück­ho­len. Der Er­trag wur­de mit an­de­ren Ge­win­nen erst zum Jah­res­en­de steu­er­lich ver­rech­net. Für die Rück­er­stat­tung reich­te der ein­ge­reich­te Steu­er­be­scheid. We­gen des an­geb­li­chen mehr­fa­chen Ei­gen­tums wur­den zwei Be­schei­ni­gun­gen ein­ge­reicht – mit dem Er­geb­nis, dass ei­ne ein­mal ge­zahl­te Steu­er zwei­mal er­stat­tet wur­de. Bei den zum 1. Ja­nu­ar 2016 ge­stopp­ten ähn­lich ge­la­ger­ten „Cum-Cum“-Ge­schäf­ten konn­ten gro­ße Kun­den aus dem Aus­land Steu­ern auf Di­vi­den­den von deut­schen Un­ter­neh­men um­ge­hen. Im Kern wer­den bei die­sen De­als von aus­län­di­schen An­le­gern ge­hal­te­ne An­tei­le kurz vor dem Di­vi­den­den­stich­tag an in­län­di­sche An­teils­eig­ner über­tra­gen, et­wa an Ban­ken. An die­se wird die Di­vi­den­de dann aus­ge­schüt­tet, dar­auf wird ei­ne Ka­pi­tal­er­trag­steu­er fäl­lig. Die in­län­di­sche Bank konn­te sich dann, an­ders als die aus­län­di­schen In­ves­to­ren, die Ka­pi­tal­er­trag­steu­er an­rech­nen be­zie­hungs­wei­se er­stat­ten las­sen. Da­nach wer­den die Ak­ti­en samt Di­vi­den­de zu­rück­ge­reicht, die ge­spar­te Steu­er zu­las­ten des Staa­tes und der All­ge­mein­heit wur­de un­ter Ban­ken und In­ves­to­ren auf­ge­teilt. (dpa)

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