Mann für Spe­zi­al­auf­ga­ben

Rai­ner Mutsch­ler, bis­her Mar­ke­ting­chef beim VfB Stutt­gart, soll die To­werstars bis 2020 fit für die DEL ma­chen

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - SPORT - Von Jür­gen Schat­t­mann und Alex­an­der Tut­sch­ner

RA­VENS­BURG - Auf die Fra­ge, ob es ei­ner aus dem Fuß­ball mög­li­cher­wei­se schwer ha­ben könn­te, bei Puck­jä­gern auf dem Eis gut an­zu­kom­men, muss­te Rai­ner Mutsch­ler am Di­ens­tag ein Ver­säum­nis ein­räu­men: „Mit dem Schlitt­schuh­lau­fen hab ich’s nicht so. Ich brau­che ei­gent­lich 'nen Stock, um mich fest­zu­hal­ten.“Ernst­haft füg­te der frü­he­re Ski-Bun­des­trai­ner und Al­pin­chef der Frau­en an: „Als ich vor 32 Jah­ren beim DSV be­gon­nen hab, der ja ex­trem baye­risch ge­prägt ist, hieß es da­mals nur: Was will denn der Schwa­be hier? Und als ich 1999 zum VfB Stutt­gart wech­sel­te, hieß es: Was, ein Ski­fah­rer? Ich glau­be nicht, dass das dies­mal ein Pro­blem wird – zu­mal ich als ge­bür­ti­ger Saul­gau­er aus der Re­gi­on stam­me.“

In der Tat dürf­te die Nach­richt, die der Eis­ho­ckey-Zweit­li­gist Ra­vens­burg To­werstars in der Zen­tra­le sei­nes Haupt­spon­sors CHG ver­kün­de­te, eher ei­ne Froh­bot­schaft sein. Der Eis­ho­ckey-Zweit­li­gist hat dem VfB Stutt­gart den Mar­ke­ting­lei­ter ab­ge­luchst – für sei­nen Traum von der DEL. Bis 2020 wol­len die To­werstars die Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen, um die DEL mit­zu­spie­len. Der „Fuß­ball­pro­fi“soll mit sei­nen Kon­tak­ten und sei­nem Netz­werk da­bei hel­fen, auch über­re­gio­na­le Spon­so­ren an Land zu zie­hen, sag­te Frank Kott­mann, Chef des Ge­sell­schaf­ter­bei­rats. „Pro­jekt 2020“nen­nen die Ra­vens­bur­ger das.

„Bis 2020 wer­den sich vier, fünf Mann­schaf­ten mit Bud­gets her­aus­kris­tal­li­sie­ren, die viel­leicht dop­pelt so hoch sein wer­den wie un­se­res der­zeit, und die den Auf­stieg un­ter sich aus­ma­chen wer­den. Wir wol­len nicht ab­ge­hängt wer­den, son­dern da­bei sein“, sag­te Kott­mann, und da­zu be­darf es meh­re­rer Schrit­te. Zu­nächst ein­mal muss die DEL Auf- und Ab­stieg wie­der mög­lich ma­chen. Das war ei­gent­lich schon be­schlos­sen, ehe die DEL wie­der ei­nen Rück­zie­her mach­te – dem­nächst tref­fen sich die Par­tei­en vor dem Schieds­ge­richt. Kott­mann, Mit­glied im Auf­sichts­rat der DEL2, ist zu­ver­sicht­lich, dass die Re­form be­reits ab nächs­ter Sai­son greift. Das Eis­sta­di­on muss zu­dem auf 4000 Plät­ze er­wei­tert wer­den. Die Stadt Ra­vens­burg hat so­eben ei­ne Mach­bar­keits­stu­die in Auf­trag ge­ge­ben, der Club träumt da­von, be­reits En­de 2018 in der neu­en Are­na spie­len zu kön­nen. Drit­tens soll­te der Etat stei­gen – und hier kommt Mutsch­ler ins Spiel. Die To­werstars, fin­det der 57-Jäh­ri­ge, der bis vor fünf Jah­ren in Tettnang leb­te und nun in die Re­gi­on Ra­vens­burg zu­rück­zie­hen möch­te, hät­ten al­les, was ein Club braucht: „Ein Rie­sen-Ein­zugs­ge­biet von Ober­schwa­ben bis zum Bo­den­see, Fans, die ih­rem Ver­ein fast so sehr ver­bun­den sind wie dem Ru­ten­fest und ein Stand­ort mit rie­si­ger Wirt­schafts­kraft, an dem vie­les mög­lich ist.“Und na­tür­lich we­nig Kon­kur­renz im Spit­zen­sport.

Es gab schon Funk­tio­nä­re, die vom Fuß­ball zum Eis­ho­ckey wech­sel­ten, et­wa Ex-Bun­des­li­ga­pro­fi Tho­mas Eichin, der lan­ge Jah­re als Ge­schäfts­füh­rer bei den Köl­ner Hai­en wirk­te (ehe zu Wer­der Bre­men ging und zu­letzt bei den Ki­ckern von 1860 Mün­chen zum Scheich-Op­fer wur­de). Für Kott­mann ist das Ri­si­ko des Frem­delns eher be­grenzt. „Wür­de Mutsch bei uns als Trai­ner an­fan­gen, hät­te ich Bauch­weh, auch als Sport­di­rek­tor hät­te ich Be­den­ken. Aber ein Mar­ke­ting-Spe­zia­list wie er kann über­all ar­bei­ten.“

Dass Mutsch­ler den VfB ge­ra­de jetzt ver­lässt, nach der Aus­glie­de­rung, in ei­ner Zeit, in der der VfB nach ei­nem Jahr­zehnt Still­stand wie­der pro­spe­riert, über­rascht al­ler­dings doch. Mutsch­ler, bis 2015 ne­ben Joa­chim Rött­germann gleich­be­rech­tig­ter Mar­ke­ting­chef, war seit­dem Pro­jekt­lei­ter eben die­ser Aus­glie­de­rung ge­we­sen. Ein Mann für Spe­zi­al­auf­ga­ben, auch Per­so­nal­ma­nage­ment, Mer­chan­di­sing und Un­ter­neh­mens­ent­wick­lung hat­te er un­ter sich. Als ihn To­werstars-Ge­schäfts­füh­rer Rai­ner Schan im No­vem­ber erst­mals kon­tak­tier­te, stand die Mehr­heit für das Mutsch­ler-Pro­jekt al­ler­dings noch in den Ster­nen. Der 57-Jäh­ri­ge ließ sich nach ei­ge­nen An­ga­ben schnell be­geis­tern für den „ech­ten Män­ner­sport Eis­ho­ckey“, die „phä­no­me­na­le Stim­mung in Ra­vens­burg“und die Vi­sio­nen der Puck­jä­ger. Das Neue und die Mög­lich­keit, et­was zu ver­än­dern, ha­be ihn ge­reizt. „Ich bin kei­ner, der al­le zwei, drei Jah­re sei­nen Job wech­selt, bei mir sind es 15. Aber of­fen­bar bin ich ei­ner, der dann ei­ne 90-Grad-Kur­ve ein­schlägt. Sol­che ein­schnei­den­den Än­de­run­gen sind ver­lo­ckend, ich fin­de sie span­nend.“

Mutsch­ler ha­be „we­sent­lich zur er­folg­rei­chen Ent­wick­lung des VfB“bei­ge­tra­gen, er­klär­te Stutt­garts Prä­si­dent Wolf­gang Dietrich, man be­daue­re sei­ne Ent­schei­dung, re­spek­tie­re sie aber. Ob man glei­ches auch über Mutsch­ler in Ra­vens­burg sa­gen wird? Vie­les wird an der neu­en Hal­le hän­gen, bei der Mutsch­ler – ähn­lich wie bei der Mer­ce­des-Benz-Are­na in Stutt­gart – auf ei­nen Spon­sor zur Teil­fi­nan­zie­rung hofft. „Ich will Ta­ten statt Wor­te spre­chen las­sen und die Är­mel hoch­krem­peln“, sagt er. „Aber ich wür­de mir wün­schen, nun auch 15 Jah­re bei den To­werstars zu blei­ben.“Nur mit der DEL, da soll es schnel­ler ge­hen.

FO­TO: TUT­SCH­NER

Den Auf­stieg als Vi­si­on: Rai­ner Mutsch­ler (li.), neu­er Mar­ke­ting­chef der To­werstars, will an­grei­fen.

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