15-Mil­li­ar­den-Pols­ter für die Zu­kunft

Ka­bi­nett winkt Haus­halts­plä­ne für 2018 durch – Neue Re­gie­rung wird mit­re­den

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Ras­mus Buch­stei­ner

BERLIN - Grü­nes Licht für den Bun­des­haus­halt wird es erst im Herbst ge­ben – nach der Bun­des­tags­wahl. „Un­ser Land ist in gu­ter Ver­fas­sung. Es gibt aus­rei­chend Vor­sor­ge für neue Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten“, er­klär­te Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) am Mitt­woch. Hin­ter­grün­de zum Ent­wurf des Bun­des­haus­hal­tes 2018 und zum Fi­nanz­plan bis 2021.

Wie sieht der Haus­halts­ent­wurf für 2018 aus?

Es sind aber­mals kei­ne neu­en Schul­den vor­ge­se­hen. Die vor­aus­sicht­li­chen Ein­nah­men stei­gen von 329,1 Mil­li­ar­den in die­sem Jahr auf 337,5 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr 2018. Schäu­b­le plant fürs kom­men­de Jahr mit Aus­ga­ben von 337,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Laut Fi­nanz­plan sol­len Ein­nah­men und Aus­ga­ben bis 2021 auf 356,8 Mil­li­ar­den Eu­ro an­stei­gen.

Wel­che Mi­nis­te­ri­en sind die Ge­win­ner?

In ab­so­lu­ten Zah­len er­hält das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les die größ­ten Mehr­aus­ga­ben – knapp 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Der Ver­tei­di­gungs­haus­halt soll im kom­men­den Jahr um fast 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro stei­gen, ein Plus von vier Pro­zent. Bis 2021 kä­men noch ein­mal knapp vier Mil­li­ar­den hin­zu. Die Aus­ga­ben des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums – ins­be­son­de­re für Bun­des­po­li­zei und Ver­fas­sungs­schutz – stei­gen um rund 250 Mil­lio­nen Eu­ro.

Ist sich die Bun­des­re­gie­rung bei der Haus­halts­pla­nung ei­nig?

In ei­nem Punkt hat die SPD Vor­be- hal­te an­ge­mel­det. „Un­ser Ziel ist es, für je­den Eu­ro, der zu­sätz­lich für Ver­tei­di­gung aus­ge­ge­ben wird, 1,50 Eu­ro mehr für Kri­sen­prä­ven­ti­on, Hu­ma­ni­tä­re Hil­fe und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit im kom­men­den Fi­nanz­pla­nungs­zeit­raum zur Ver­fü­gung zu stel­len“, heißt es in ei­ner Er­klä­rung, die am Mitt­woch von den SPD-Bun­des­mi­nis­tern zu Pro­to­koll ge­ge­ben wor­den ist. Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ver­wies dar­auf, dass Deutsch­land be­reits jetzt in der Ent­wick- lungs­hil­fe der zweit­größ­te Zah­ler sei. Un­mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen hat die Pro­to­koll­er­klä­rung al­ler­dings nicht.

Gibt es Spiel­räu­me für Steu­er­ent­las­tun­gen?

Für die nächs­ten Jah­re sieht das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ei­nen Spiel­raum von ins­ge­samt knapp 15 Mil­li­ar­den Eu­ro beim Bund: zwei Mil­li­ar­den Eu­ro 2019, 3,1 Mil­li­ar­den Eu­ro für 2020 und 9,7 Mil­li­ar­den Eu­ro im letz­ten Jahr der kom­men­den Le­gis­la­tur – und das bei stei­gen­den Aus­ga­ben ins­be­son­de­re für So­zia­les und Ver­tei­di­gung. „Un­ser Land ist in gu­ter Ver­fas­sung. Es gibt aus­rei­chend Vor­sor­ge für neue Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten“, er­klär­te Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) .

Die Steu­er­plä­ne von Uni­on und SPD sind al­so fi­nan­zier­bar?

Ja, aber es lohnt sich, ge­nau hin­zu­schau­en: Von den 15 Mil­li­ar­den Eu­ro, die von der Uni­on als mög­li­che Ent­las­tung bei der Ein­kom­men­steu­er ge­nannt wer­den, hät­te der Bund le­dig­lich 6,3 Mil­li­ar­den Eu­ro zu schul­tern – der Rest kä­me als Min­der­ein­nah­men auf Län­der und Kom­mu­nen zu. Die 15-Mil­li­ar­den-Eu­ro-Ent­las­tung, die von der SPD ver­spro­chen wird, soll un­ter an­de­rem durch Ab­schaf­fung des So­li für klei­ne und mitt­le­re Ein­kom­men er­reicht wer­den. Die Min­der­ein­nah­men in die­sem Be­reich müss­ten al­lein vom Bund ge­stemmt wer­den.

Rei­ßen Flücht­lings­kos­ten und die Rück­er­stat­tung der Brenn­ele­men­te-Steu­er nicht neue Lö­cher in den Etat?

Die flücht­lings­be­ding­ten Kos­ten wer­den 2018 noch ein­mal ge­ring­fü­gig auf 21 Mil­li­ar­den Eu­ro an­stei­gen. Die Rück­la­ge wird bis 2019 voll­stän­dig auf­ge­braucht, neue Ri­si­ken für die na­he Zu­kunft wer­den aber nicht ge­se­hen. Die von Karls­ru­he ver­ord­ne­te Rück­zah­lung der Brenn­ele­men­te-Steu­er an die Atom­kon­zer­ne hat das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um zwar kalt er­wischt. Doch dank der un­er­war­tet ho­hen Steu­er­ein­nah­men kann das Geld plus sechs Pro­zent Zin­sen – der Ge­samt­be­trag liegt zwi­schen sie­ben und 7,5 Mil­li­ar­den Eu­ro – oh­ne Schwie­rig­kei­ten zu­rück­ge­zahlt wer­den.

FOTO: DPA

Das Bun­des­ka­bi­nett hat den Haus­halts­ent­wurf von Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) be­schlos­sen. Die schei­den­de Re­gie­rung hin­ter­lässt ih­ren Nach­fol­gern ein sat­tes Fi­nanz­pols­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.