42-Jäh­ri­ger würgt Mit­be­woh­ner und muss drei Mo­na­te hin­ter Git­ter

Wäh­rend Be­wäh­rungs­zeit wie­der straf­fäl­lig ge­wor­den: Mann aus Wan­gen wird we­gen Kör­per­ver­let­zung ver­ur­teilt

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN -

WAN­GEN (vs) - Vor drei Wo­chen war das Ver­fah­ren ge­gen ihn im Hin­blick auf ei­ne noch zu er­war­ten­de Ver­ur­tei­lung ein­ge­stellt wor­den. Jetzt muss ein 42-jäh­ri­ger Wan­ge­ner we­gen Kör­per­ver­let­zung drei Mo­na­te in Haft. Ei­ne noch nicht ab­ge­lau­fe­ne Be­wäh­rungs­zeit und die schlech­te So­zi­al­pro­gno­se spra­chen ge­gen den An­ge­klag­ten.

Das Zu­sam­men­tref­fen von meh­re­ren Na­tio­na­li­tä­ten in ei­nem Zim­mer kann je­de Men­ge Zünd­stoff bie­ten. Kom­men Ar­beits­lo­sig­keit und Al­ko­hol­pro­ble­me hin­zu, sind Aus­ein­an­der­set­zun­gen manch­mal un­ab­wend­bar. Im an­de­ren Fall braucht es viel gu­ten Wil­len, um den Frie­den in ei­ner sol­chen Zwangs­ge­mein­schaft zu wah­ren. Im vor­lie­gen­den Fall kann da­von al­ler­dings nicht die Re­de sein.

Ein Mit­be­woh­ner der Un­ter­kunft am Süd­ring in Wan­gen hat­te den er­neut vor Ge­richt ste­hen­den Mann im Fe­bru­ar 2017 we­gen Be­lei­di­gun­gen an­ge­zeigt. Des­sen Zeu­gen­aus­sa­ge hat­te sich dann bei der Ver­hand­lung je­doch als we­nig ver­läss­lich er­wie­sen. Im sel­ben Mo­nat war die Po­li­zei er­neut ge­fragt. Dies­mal ging es um Kör­per­ver­let­zung. An dem be­sag­ten Tag sa­ßen der An­ge­klag­te und ei­ne wei­te­re Per­son am Tisch und schau­ten Fern­se­hen, als kurz nach Mit­ter­nacht der drit­te Un­ter­mie­ter von der Ar­beit nach Hau­se kam. Weil er mü­de war, leg­te er sich so­gleich ins Bett. Nicht oh­ne von hier aus ein an­de­res als das ein­ge­stell­te Pro­gramm zu wäh­len, wäh­rend der spä­ter Be­schul­dig­te für ei­ni­ge Zeit den Raum ver­las­sen hat­te.

„Wenn er trinkt, ist der Tag vor­bei“

„Als er zu­rück kam und den Sen­der wie­der um­schal­te­te, ging die Schreie­rei los“, sag­te der am Ge­sche­hen un­be­tei­lig­te Zeu­ge. Und ob­wohl er zu­nächst an­gab, sich nicht mehr ge­nau zu er­in­nern, lenk­te er nach Ver­le­sen des po­li­zei­li­chen Pro­to­kolls doch ein: „Der An­ge­klag­te ist auf­ge­stan­den, zum Bett ge­gan­gen und hat den an­de­ren Be­woh­ner ge­würgt.“Die ein­mal ge­ge­be­ne Aus­sa­ge, er ha­be zum Ru­fen der Po­li­zei ge­ra­ten, wan­del­te er jetzt in „Der hät­te auch die Anzeige zu­rück­zie­hen kön­nen“ab. Die Fra­ge des Rich­ters nach der Be­grün­dung wur­de vom Zeu­gen so be­ant­wor­tet: „Weiß nicht, ha­be mei­ne ei­ge­nen Pro­ble­me!“

„Er hat mit bei­den Hän­den so­lan­ge ge­drückt, bis mir ganz schwarz vor den Au­gen wur­de“, be­rich­te­te der Ge­schä­dig­te, „nur noch we­ni­ge Mi­nu­ten län­ger, dann wä­re ich weg ge­we­sen.“Und er be­schul­dig­te den An­ge­klag­ten, sich stän­dig als Chef auf­zu­spie­len. Über­haupt neh­me er kei­ne Rück­sicht auf die, die ar­bei­ten müss­ten. Das ge­zeich­ne­te Bild wur­de mit „Wenn er trinkt, dann ist der Tag vor­bei“ab­ge­run­det.

Die Ver­tre­te­rin der Staats­an­walt­schaft sah die an­ge­klag­te „ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung“nur teil­wei­se als be­stä­tigt an. „Er hat den Mit­be­woh­ner zwar am Hals ge­packt, ihm aber kei­ne le­bens­ge­fähr­li­che Ver­let­zung zu­ge­fügt“, sag­te sie und be­an­trag­te ei­ne Frei­heits­stra­fe von vier Mo­na­ten. Die­ser Ein­schät­zung folg­te auch der Rich­ter. Er zeig­te sich über­zeugt da­von: „Es war ei­ne vor­sätz­li­che, aber nur ei­ne ein­fa­che Kör­per­ver­let­zung.“Weil die Tat „wäh­rend der Be­wäh­rungs­zeit be­gan­gen wur­de“, ein lan­ges Vor­stra­fen­re­gis­ter die An­ge­le­gen­heit nicht bes­ser mach­te und ei­ne gu­te so­zia­le Pro­gno­se nicht ge­ge­ben wer­den konn­te, lau­te­te das Ur­teil auf „drei Mo­na­te Frei­heits­ent­zug oh­ne Be­wäh­rung“.

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