Wo die Wiss­be­gier­de an Gren­zen stößt

Ver­mie­ter stel­len bis zum Ver­trags­ab­schluss vie­le Fra­gen – Was ist er­laubt und was nicht?

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - IMMOBILIEN - Von Mo­ni­ka Hil­le­ma­cher

V er­mie­ter su­chen sorg­fäl­tig aus, wen sie in ih­re Woh­nung ein­zie­hen las­sen. Die Wiss­be­gier­de ist groß. Manch­mal zu groß, fin­den Da­ten­schüt­zer. Mie­t­in­ter­es­sen­ten ste­cken in der Klem­me. Sie müs­sen zwar nicht al­les preis­ge­ben. Ver­wei­gern sie aber Ant­wor­ten, ge­hen sie sehr wahr­schein­lich leer aus.

Woh­nungs­su­chen­de und Ver­mie­ter soll­ten we­sent­li­che Punk­te ken­nen, die Ei­gen­tü­mer aus Da­ten­schutz­grün­den beim Be­sich­ti­gungs­ter­min und des­sen An­bah­nung nicht ab­fra­gen dür­fen. Die ei­nen, da­mit sie ent­schei­den kön­nen, wie sie mit der Neu­gier um­ge­hen – die an­de­ren, um das Da­ten­schutz­ge­setz ein­zu­hal­ten. Ei­ne Über­sicht:

For­mu­la­re:

Die Mie­ter­selbst­aus­kunft ist das gän­gigs­te In­stru­ment, et­was über Woh­nungs­in­ter­es­sen­ten her­aus­zu­be­kom­men. Mak­ler, Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten und pri­va­te Ver­mie­ter nut­zen hier meist For­mu­la­re. Die­se wer­den vor oder wäh­rend der Be­sich­ti­gung ver­teilt.

Er­war­ten Ei­gen­tü­mer so­fort Ant­wor­ten, sind sie zu früh dran, mei­nen Da­ten­schüt­zer wie Tho­mas Kra­nig. Der Prä­si­dent des baye­ri­schen Lan­des­amts für Da­ten­schutz­auf­sicht in Ans­bach sagt: „Das Aus­fül­len ist erst dann er­for­der­lich, wenn je­mand nach der Be­sich­ti­gung ernst­haf­tes In­ter­es­se am Ob­jekt hat.“

Geld und Ver­mö­gen:

Die Fi­nanz­kraft des Be­wer­bers ist für Ver­mie­ter meis­tens das Ar­gu­ment, das über Hopp oder Top ent­schei­det. Oft er­kun­di­gen sie sich be­reits bei der Ver­ein­ba­rung des Be­sich­ti­gungs­ter­mins nach der Bo­ni­tät. „Un­zu­läs­sig“, sagt Kra­nig. Er ver­weist auf den im Da­ten­schutz­ge­setz ver­an­ker­ten Grund­satz, wo­nach nur er­laubt ist, was er­for­der­lich ist. Und das sei das Ver­lan­gen ei­ner wirt­schaft­li­chen Selbst­aus­kunft „zum Zeit­punkt der rei­nen Be­wer­bungs­pha­se nicht“. Vor­ab und da­mit auf Vor­rat von sämt­li­chen In­ter­es­sen­ten um­fang­rei­che An­ga­ben zur wirt­schaft­li­chen La­ge ab­zu­for­dern, hält die Ber­li­ner Da­ten­schutz­be­hör­de für rechts­wid­rig, wie sie in ei­nem Rat­ge­ber zur Pri­vat­sphä­re von Mie­tern schreibt.

Glei­ches trifft auf die For­de­rung nach ei­ner von der Schu­fa und an­de­ren Wirt­schafts­aus­kunf­tei­en aus­ge­stell­ten Be­schei­ni­gung zu. Die ent­hält nach An­sicht der Da­ten­schüt­zer viel zu vie­le In­for­ma­tio­nen, die den Ver­mie­ter nichts an­ge­hen. Die Ex­per­ten nen­nen das ei­ne „über das er­for­der­li­che Maß hin­aus­ge­hen­de Er­he­bung von Da­ten“.

Die Pra­xis sieht ganz an­ders aus. „Die In­ter­es­sen­ten, die in der Schlan­ge ste­hen, ha­ben die Aus­kunft da­bei und drü­cken sie dem Ver­mie­ter ein­fach in die Hand, sonst be­kom­men sie die Woh­nung nicht“, sagt Ul­rich Ropertz vom Deut­schen Mie­ter­bund.

Wer ist wer?:

Na­tür­lich sind die Per­so­na­li­en des In­ter­es­sen­ten wich­tig. Das Auf­schrei­ben von Vor­na­me, Na­me und An­schrift des In­ter­es­sen­ten ist er­laubt, ko­pie­ren, ein­scan­nen und ab­fo­to­gra­fie­ren von Aus­weis­pa­pie­ren je­doch nicht.

Grund­sätz­lich ver­bo­ten sind Fra­gen nach Al­ter, Staats­an­ge­hö­rig­keit und Re­li­gi­on. Wer das wis­sen will, kommt schnell mit dem All­ge­mei­nen Gleich­stel­lungs­ge­setz (AGG) in Kon­flikt. Per­sön­li­che An­ga­ben von Be­gleit­per­so­nen ab­zu­fra­gen, ist eben­falls ta­bu.

Le­ben und lie­ben:

Ob der po­ten­zi­el­le Mie­ter al­lei­ne lebt, ver­liebt, ver­lobt, ver­hei­ra­tet oder ver­part­nert ist, hat den Ei­gen­tü­mer nicht zu in­ter­es­sie­ren. Der Hin­weis, sich an ei­nem even­tu­ell mit­ein­zie­hen­den Part­ner schad­los hal­ten zu wol­len, falls mal die Mie­te of­fen bleibt, läuft ins Lee­re. Ge­mein­sam Ein­zie­hen­de müss­ten nicht zwangs­läu­fig auch den Miet­ver­trag ge­mein­sam schlie­ßen. Bei mit im Haus­halt le­ben­den Kin­dern ver­bie­tet sich die Fra­ge, in wel­chen Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis sie zum Mie­ter ste­hen. Zur ge­schütz­ten Pri­vat­sphä­re zählt auch die Fa­mi­li­en­pla­nung wie Kin­der­wunsch, Schwan­ger­schaft, Hei­rat, Schei­dung.

Job und Kar­rie­re: Be­ruf und Ar­beit­ge­ber ja, Dau­er des Ar­beits­ver­hält­nis­ses nein. Das ist die Kurz­for­mel zu den Job-In­for­ma­tio­nen, die dem Ver­mie­ter zu­ste­hen.

War­um Verr­mie­ter ih­re Neu­gier dies­be­züg­lich zü­geln müs­sen, be­grün­den die im Düs­sel­dor­fer Kreis zu­sam­men­ge­schlos­se­nen Da­ten­schutz­be­hör­den von Bund und Län­dern fol­gen­der­ma­ßen: „In ei­ner mo­bi­len Ge­sell­schaft bie­tet die Dau­er ei­ner Be­schäf­ti­gung kei­ne Ge­wiss­heit über die Fort­dau­er des Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses.“Der Ei­gen­tü­mer kann folg­lich aus der An­ga­be kei­ne Ga­ran­tie ab­lei­ten, dass der Mie­ter sol­vent und so­li­de ist.

Frei­zeit und Ver­gnü­gen: Was der Mie­ter in sei­ner frei­en Zeit treibt, geht den Woh­nungs­be­sit­zer nichts an. Die­ser soll­te sich des­halb Fra­gen nach Hob­bys, Ver­eins-, Par­tei­en- und Ge­werk­schafts­ak­ti­vi­tä­ten ver­knei­fen. An die In­fos kann er den­noch kom­men. Und zwar ganz re­gu­lär: „Wenn der Be­wer­ber frei­wil­lig er­zählt, muss der Ver­mie­ter nicht weg­hö­ren“, sagt In­ka-Ma­rie Storm vom Ei­gen­tü­mer­ver­band Haus & Grund Deutsch­land. In so­zia­len Netz­wer­ken zu re­cher­chie­ren ist eben­falls in Ord­nung. „Das sind öf­fent­li­che Da­ten“, sagt Storm. Dich­tung und Wahr­heit: Bei un­zu­läs­si­gen Fra­gen dür­fen Woh­nungs­su­chen­de schum­meln. Falls das nach Ab­schluss des Miet­ver­trags raus­kommt, hat der Ver­mie­ter kei­ne Hand­ha­be für ei­nen Raus­schmiss. „Ei­ne fal­sche Aus­kunft ist nor­ma­ler­wei­se kein Kün­di­gungs­grund“, er­läu­tert Storm. Ei­nen Pro­zess wür­de der Ei­gen­tü­mer ver­mut­lich ver­lie­ren, weil ja sei­ne Fra­gen schon nicht er­laubt wa­ren.

Da­mit hat er sich recht­lich selbst an­greif­bar ge­macht. Le­dig­lich zwei Punk­te müs­sen po­ten­zi­el­le Mie­ter ehr­lich be­ant­wor­ten. Ul­rich Ropertz: „Der ers­te lau­tet: Kannst du die Woh­nung be­zah­len? Der zwei­te heißt: Wer zieht ein: Du al­lein oder ei­ne zwölf­köp­fi­ge Fa­mi­lie?“. Wer bei die­sen Punk­ten lügt, ris­kiert raus­zu­flie­gen. (dpa)

FO­TO: KAROLIN KRÄMER/DPA

Auch wenn der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer wis­sen will, wen er sich da ins Haus holt – man­ches geht ihn nichts an.

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