Ei­ne Gän­se­haut-Do­ku­men­ta­ti­on

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - FERNSEHEN & FREIZEIT - Von Bar­ba­ra Wald­vo­gel

Exil Deutsch­land – Ab­schied von der Tür­kei (Arte, Di., 21.15 Uhr) –

Der Arte-The­men­abend wid­met sich der Tür­kei ein Jahr nach dem Putsch­ver­such und zeigt be­drü­cken­de Be­ob­ach­tun­gen aus ei­nem ehe­mals de­mo­kra­ti­schen Land, das ein Mann Schritt für Schritt zur Dik­ta­tur um­baut. Wie Staats­chef Er­do­gan den Auf­stand nutzt, um Op­po­si­tio­nel­le und Kri­ti­ker zu ver­haf­ten und mund­tot zu ma­chen, ist zu­tiefst er­schre­ckend. Wer die Ge­fahr er­kann­te, floh noch recht­zei­tig aus der Hei­mat. Auch der ehe­ma­li­ge Chef­re­dak­teur von Cumhu­riy­et, Can Dündar, ist we­gen dro­hen­der Ver­ur­tei­lung im Ju­li 2016 nach Deutsch­land aus­ge­reist.

Dündar, be­kann­ter Jour­na­list, Do­ku­men­tar­fil­mer und Buch­au­tor, be­rich­tet, wie er hier­zu­lan­de auf of­fe­ne Tü­ren bis in die höchs­ten Krei­se trifft, doch sich nicht mehr traut, in Ber­lin ein Ta­xi zu neh­men. Un­ter den Fah­rern gibt es zu vie­le Er­do­gan-Freun­de – und für Er­do­gan ist Dündar ein Ter­ro­rist. Wie üb­ri­gens vie­le wei­te­re In­tel­lek­tu­el­le, die vor al­lem nach Ber­lin ge­flo­hen sind. Kat­ja Deiß hat zu­sam­men mit Dündar die­se Gän­se­haut-Do­ku­men­ta­ti­on ver­fasst. Wie der „Sul­tan vom Bo­spo­rus“Angst und Schre­cken ver­brei­tet, die Mei­nungs­frei­heit mit Fü­ßen tritt und die In­tel­li­genz aus dem Land treibt, er­in­nert an NS-Me­tho­den. Des­halb müs­sen die­se Men­schen, die sich weh­ren und für die vie­len In­haf­tier­ten kämp­fen, in un­se­ren Me­di­en auch ei­ne Platt­form be­kom­men.

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