BUND-Grup­pe hat vie­le Ein­wän­de

Rat Kiß­legg will am Mitt­woch Sat­zungs­be­schluss zu Bau­ge­biet „Wal­ters­ho­fen-West“fas­sen

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - GEMEINDEN - Von Me­la­nie Kräu­ter

KISSLEGG - In Sa­chen Bau­ge­biet Wal­ters­ho­fen-West geht es wei­ter vor­an: In der Ge­mein­de­rats­sit­zung am Mitt­woch, 12. Ju­li, soll der Sat­zungs­be­schluss für den Be­bau­ungs­plan ge­fasst wer­den. So sieht es der Ver­wal­tungs­vor­schlag vor. Der Ort­schafts­rat hat die­sem bei sei­ner Sit­zung in der ver­gan­ge­nen Wo­che schon bei ei­ner Ent­hal­tung zu­ge­stimmt. Vor dem Sat­zungs­be­schluss steht aber noch der Punkt „Be­hand­lung der An­re­gun­gen“auf der Ta­ges­ord­nung. Die Trä­ger öf­fent­li­cher Be­lan­ge ha­ben be­reits ih­re Stel­lung­nah­men ab­ge­ge­ben, die Ge­mein­de­ver­wal­tung hat dar­auf re­agiert.

Ei­ne be­son­ders lan­ge Stel­lung­nah­me kam im Fall des ge­plan­ten Bau­ge­biets Wal­ters­ho­fen-West von der BUND-Grup­pe Kiß­legg-Ar­gen­bühl, die vor al­lem na­tur­schutz­recht­li­che Be­den­ken an­mel­det. Aus­zugs­wei­se wer­den hier ei­ni­ge Stel­lung­nah­men und de­ren Ant­wor­ten der Ver­wal­tung ge­gen­über­ge­stellt.

Ei­ne der Haupt­for­de­run­gen der BUND-Grup­pe ist, dass das „Feucht­ge­biet Si­graz­ho­fe­ner Bach“aus dem Be­bau­ungs­plan her­aus­ge­nom­men und als „Feucht­bio­top“aus­ge­wie­sen wird. Die Ver­wal­tung ent­geg­net dar­auf, dass der Bach mit ei­nem brei­ten Ge­wäs­ser­rand­strei­fen „ganz be­wusst in den Be­bau­ungs­plan auf­ge­nom­men wur­de, um ihn als öf­fent­li­che Grün­flä­che zu si­chern“. Die­se Fest­set­zung ma­che bau­li­che Ein­grif­fe in die­sem Be­reich „grund­sätz­lich un­zu­läs­sig“. Die ge­plan­ten Grund­stü­cke reich­ten an kei­ner Stel­le nä­her als 13 Me­ter, oft so­gar nicht nä­her als 33 Me­ter an den Bach­lauf her­an.

Ha­bi­tat für In­sek­ten und Grä­ser

Die BUND-Grup­pe kri­ti­siert au­ßer­dem, dass die Wie­se, auf der 19 Grund­stü­cke mit ins­ge­samt bis zu 62 Wohn­ein­hei­ten ent­ste­hen sol­len, als „In­ten­siv­wie­se“und nicht als „Ex­ten­siv­wie­se“dar­ge­stellt wird. Im Be­bau­ungs­plan­ent­wurf wür­de zu­dem la­pi­dar fest­ge­stellt, dass Grün­land als „ge­rin­ger­wer­ti­ger Le­bens­raum“ver­lo­ren ge­he. Die BUND-Grup­pe be­tont je­doch, dass die Wie­se „er­heb­li­che Wer­tig­keit“be­sitzt, zum ei­nen als Aus­gleichs­kör­per für den Was­ser­haus­halt und als CO2-Spei­cher. Die Wie­se stel­le für In­sek­ten, Li­bel­len und Schmet­ter­lin­ge ei­nen „ho­hen Wert“dar, für sie ge­he „ein er­heb­li­ches Ha­bi­tat ver­lo­ren“. Eben­so sei­en durch­aus Grä­ser­ar­ten vor­han­den, die auf ei­ne ex­ten­siv ge­nutz­te Wie­se hin­deu­ten. Die Ent­geg­nung der Ge­mein­de: „Die Be­wer­tung des Grün­lands wur­de ne­ben der OrtsEin­sicht auch auf­grund der Kennt­nis der ak­tu­el­len Nut­zung vor­ge­nom­men.“Und wei­ter heißt es: „Auch wenn ein­zel­ne Flä­chen für In­sek­ten wert­voll sein mö­gen, han­delt es sich bei der Flä­che den­noch um in­ten­siv ge­nutz­tes Grün­land.“

Fle­der­mäu­se sind eben­falls ein The­ma für die BUND-Grup­pe: Auch wenn laut Ver­wal­tung kei­ne „un­mit­tel­ba­ren Nach­wei­se von Fle­der­mäu­sen“er­mit­telt wer­den konn­ten, sei be­kannt, dass „bis zu 14 Fle­der­maus­ar­ten im und im Um­kreis des FFHGe­biets Ar­gen vor­han­den sind“. Es sei mit Si­cher­heit da­von aus­zu­ge­hen, dass Fle­der­maus­po­pu­la­tio­nen zu­min­dest in der Nä­he vor­han­den sind, mög­li­cher­wei­se auch im Kirch­turm Wal­ters­ho­fen. Zwar nimmt die Ver­wal­tung das Vor­kom­men von Fle­der­mäu­sen in der Nä­he zur Kennt­nis. Sie be­tont aber, dass durch das Vor­ha­ben „Fle­der­maus-Quar­tie­re nicht tan­giert wer­den“.

Ge­gen be­schleu­nig­tes Ver­fah­ren

Die BUND-Grup­pe kri­ti­siert, dass das Be­bau­ungs­plan­ver­fah­ren als „be­schleu­nig­tes Ver­fah­ren“durch­ge­führt wer­den soll. Da des­we­gen kei­ne Um­welt­prü­fung und kein Aus­gleichs­ver­fah­ren statt­fin­den soll, wür­den „er­heb­li­che öf­fent­li­che In­ter­es­sen“an der Na­tur und am Land­schafts­bild un­ter­drückt. Die Ver­wal­tung hält das be­schleu­nig­te Ver­fah­ren für ge­recht­fer­tigt, da das Bau­ge­setz­buch für „Maß­nah­men der In­nen­ent­wick­lung ge­wis­se Ver­fah­ren­ser­leich­te­run­gen vor­sieht“. Die Tat­sa­che, dass kei­ne Um­welt­prü­fung vor­ge­schrie­ben sei, be­deu­te nicht, dass „na­tur­schutz­fach­li­che und land­schaft­schafts­äs­the­ti­sche Be­lan­ge“kei­ne Be­rück­sich­ti­gung fän­den.

Die Na­tur­schüt­zer for­dern zu­dem ei­nen „Aus­gleich für die un­wie­der­bring­li­che Bo­den­ver­sie­ge­lung“. Ein Aus­gleich sei we­gen des be­schleu­nig­ten Ver­fah­rens nicht not­wen­dig, ent­geg­net die Ge­mein­de. Und wei­ter: An­ge­sichts der be­ste­hen­den Nach­fra­ge nach Wohn­grund­stü­cken und der gu­ten Eig­nung der Flä­che für die­sen Zweck, „nimmt der Ge­mein­de­rat die ent­ste­hen­den Ver­sie­ge­lun­gen bzw. den Ver­lust be­leb­ten Bo­dens in Kauf“. Ein wei­te­rer Vor­wurf der BUND-Grup­pe: Als „Be­grün­dung zur Um­nut­zung land­wirt­schaft­li­cher Flä­che in ein Bau­ge­biet, dient das Ar­gu­ment des ört­li­chen Be­darfs, der si­cher nicht vor­han­den ist.“Und die Ge­mein­de ent­geg­net: „Die Be­haup­tung, für das ge­plan­te Bau­ge­biet be­stün­de kein ört­li­cher Be­darf, wird von ge­meind­li­cher Sei­te ve­he­ment zu­rück­ge­wie­sen.“

Wie die Ge­mein­de be­tont, sei­en von den ein­ge­gan­ge­nen Stel­lung­nah­men kei­ne In­hal­te be­trof­fen, die zu ei­ner er­neu­ten Aus­le­gung des Plans füh­ren. Die Ent­wurfs­fas­sung vom 26. Ju­li 2017 soll al­so so ge­bil­ligt wer­den, heißt es im Be­schluss­vor­schlag.

FO­TO: AR­CHIV

Kiß­legg Das ge­plan­te Bau­ge­biet soll zwi­schen der Leut­kir­cher Stra­ße (1), Kirch­stra­ße (2) und Neu­ner­weg (3) ent­ste­hen. Es ist rund zwei Hekt­ar groß und soll über ei­nen Krei­sel an der Leut­kir­cher Stra­ße er­schlos­sen wer­den.

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