El­tern schei­tern mit ih­rer Kla­ge zur Schü­ler­be­för­de­rung

Sig­ma­rin­ger Ver­wal­tungs­ge­richt weist Kla­ge ab – Spre­cher der Initia­ti­ve kün­digt Be­ru­fung an

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WIR IM SÜDEN -

SIG­MA­RIN­GEN (lsw/fxh) - Das Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen hat im Streit um Schü­ler­be­för­de­rungs­kos­ten die Kla­ge ei­nes Va­ters aus Rot­ten­burg ab­ge­wie­sen. Das teil­te die Be­hör­de am Frei­tag mit. Der von ei­ner El­tern­in­itia­ti­ve un­ter­stütz­te Mann hat­te ge­gen den Land­kreis Tü­bin­gen in Ver­tre­tung des Lan­des ge­klagt. Er woll­te er­rei­chen, dass der Kreis die voll­stän­di­gen Schul­be­för­de­rungs­kos­ten sei­nes Soh­nes er­stat­tet, da die bis­her nur an­tei­li­ge Er­stat­tung aus sei­ner Sicht ge­gen die Ver­fas­sung ver­stößt. Die Rich­ter wie­sen die Kla­ge ab – war­um ge­nau, ist al­ler­dings noch nicht be­kannt: Die Ur­teils­be­grün­dung lie­ge der­zeit noch nicht vor, sag­te Ge­richts­spre­cher Ot­to-Paul Bit­zer.

Der Spre­cher der Initia­ti­ve El­tern für El­tern­rech­te in Ba­den Würt­tem­berg, die die Kla­ge un­ter­stützt, möch­te trotz der Nie­der­la­ge nicht auf­ge­ben: „Wir war­ten auf die Ur­teils­be­grün­dung und ge­hen dann vor­aus­sicht­lich in Be­ru­fung“, sag­te Ste­phan Ert­le, der auch dem Lan­des­el­tern­bei­rat an­ge­hört. In ei­nem Rechts­gut­ach­ten, das die Initia­ti­ve um Ert­le in Auf­trag ge­ge­ben hat­te, kommt ei­ne Stutt­gar­ter Kanz­lei zu der Auf­fas­sung, dass die der­zei­ti­ge Pra­xis ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Wahl von Ort und Art der Schu­le ha­be. Ih­rer An­sicht hand­le es sich bei den Kos­ten zur Schü­ler­be­för­de­rung um ein „ver­kapp­tes Schul­geld“, das die Chan­cen auf den frei­en Zu­gang zur Bil­dung schmä­le­re.

Das Sig­ma­rin­ger Ver­wal­tungs­ge­richt ha­be sich bei der münd­li­chen Ver­hand­lung am Don­ners­tag vor al­lem mit der Fra­ge be­schäf­tigt, ob ein Ein­zel­ner aus ei­nem völ­ker­recht­li­chen Ver­trag sub­jek­ti­ve Rech­te her­lei­ten kön­ne, sag­te der Spre­cher wei­ter. Denn die Bun­des­re­gie­rung ha­be in der Ver­gan­gen­heit ei­nen in­ter­na­tio­na­len Pakt über wirt­schaft­li­che, so­zia­le und kul­tu­rel­le Rech­te ab­ge­schlos­sen, auf den sich auch der Klä­ger be­ru­fen ha­be. Ziel die­ses völ­ker­recht­li­chen Ver­tra­ges sei es, Bil­dung un­ent­gelt­lich und für je­der­mann zu­gäng­lich zu ma­chen, so der Ge­richts­spre­cher. Der Klä­ger sei der An­sicht, dass auch die Lan­des­ver­fas­sung von Ba­den-Würt­tem­berg da­von be­trof­fen sei, wenn die Bun­des­re­gie­rung sich zu die­sem Ziel ver­pflich­tet ha­be.

Der Auf­fas­sung des Ge­richts, dass die­ses in­ter­na­tio­na­le Recht nicht un­be­dingt ab­leit­bar sei auf die­sen Ein­zel­fall, wi­der­spricht der Spre­cher der El­tern­in­itia­ti­ve: „Die Be­grün­dung – wir ha­ben zwar ein in­ter­na­tio­na­les Recht, aber da darf kei­ner et­was mit an­fan­gen – leuch­tet mir nicht ein.“

Die Initia­ti­ve El­tern für El­tern­rech­te hat­te mit der Kla­ge ei­gent­lich ei­nen Prä­ze­denz­fall schaf­fen wol­len. Dem­nach be­las­ten die Kos­ten für Schü­ler­fahr­kar­ten Fa­mi­li­en mit bis zu meh­re­ren Tau­send Eu­ro pro Jahr.

Die Ver­hand­lung vor dem Ge­richt war von ei­ner Kund­ge­bung be­glei­tet wor­den: Rund 50 El­tern de­mons­trier­ten in Sig­ma­rin­gen für ei­ne kos­ten­lo­se Schü­ler­be­för­de­rung.

FO­TO: DPA

El­tern müs­sen sich an den Kos­ten für die Schü­ler­be­för­de­rung be­tei­li­gen, ent­schied das Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen.

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