Thea­ter statt Mo­de­de­sign

El­ke Gat­tin­ger ent­wirft und näht für die Fest­spie­le Wan­gen al­le Ko­s­tü­me

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - WANGEN -

WAN­GEN (sz) - Die Fest­spie­le Wan­gen zei­gen im Som­mer „Viel Lärm um nichts“von Wil­li­am Sha­ke­speare, „Der ge­stie­fel­te Ka­ter“nach Mo­ti­ven aus dem Volks­mär­chen der Brü­der Grimm und „Der Kon­tra­bass von Patrick Süs­kind“. Die Ko­s­tü­me für die drei Stü­cke ent­wirft und näht El­ke Gat­tin­ger.

El­ke Gat­tin­ger stammt aus ei­ner Schnei­de­rin­nen­fa­mi­lie: Die Mut­ter, die Groß­mut­ter und auch die Ur­groß­mut­ter wa­ren Schnei­de­rin­nen. Und der Na­me des el­ter­li­chen Hofs in Him­mel­reich im Salz­kam­mer­gut war Schnei­der­han­sen. Es scheint al­so, als ha­be al­les ge­nau so kom­men müs­sen, wie es letzt­lich ge­kom­men ist.

El­ke Gat­tin­ger be­such­te nach dem Abitur die Hö­he­re Ge­werb­li­che Bun­des­lehr­an­stalt für Mo­de und Be­klei­dungs­tech­nik in Eben­see und im An­schluss dar­an die Meis­ter­klas­se für Da­men­klei­der­ma­cher in der Herbst­stra­ße Wi­en. Ne­ben­her ar­bei­te­te sie be­reits am Burg­thea­ter und wuss­te schnell, dass die Ko­s­tüm­bild­ne­rei viel mehr ih­re Welt ist als das Mo­de­de­sign. So blieb sie zehn Jah­re am Burg­thea­ter, wo sie ih­re ers­ten ei­ge­nen Ar­bei­ten mach­te. „Man kann im Thea­ter Fi­gu­ren er­fin­den und muss sich nicht an die Mo­de der Zeit hal­ten“, sagt sie.

Mit der Büh­nen­bild­ne­rin der Fest­spie­le Wan­gen 2017, Do­mi­ni­que Wies­bau­er, hat sie be­reits in Wi­en am Burg­thea­ter ge­mein­sam ge­ar­bei­tet. Und mit dem Re­gis­seur und Künst­le­ri­schen Lei­ter der Fest­spie­le Wan­gen, Pe­ter Raf­falt, ver­bin­den sie be­reits mehr als zehn Pro­duk­tio­nen. Dass al­le drei hier in Wan­gen un­ter ei­nem Dach woh­nen und ar­bei­ten, hält sie für ei­nen gro­ßen Ge­winn. „Das ist ei­ne to­tal neue Er­fah­rung“, sagt sie.

Ge­mein­sam mit Do­mi­ni­que Wies­bau­er ist sie in den ver­gan­ge­nen Wo­chen im­mer wie­der un­ter­wegs ge­we­sen auf dem Floh­markt vom ASV oder in der APeVau eben­so wie in den Stoff­ge­schäf­ten in Wan­gen und in der Re­gi­on. Denn an­ders als im Thea­ter, wo es ei­nen rie­si­gen Ko­s­tüm­fun­dus gibt, muss hier je­des Ko­s­tüm­teil ge­fun­den und ge­näht wer­den. Da­bei lässt sich El­ke Gat­tin­ger auch von dem in­spi­rie­ren, was sich ge­ra­de fin­det und wor­aus man et­was ma­chen kann. „Man fin­det vie­les, wenn man sich um­schaut und kommt da­bei auf Ide­en“, sagt sie.

Der Kö­nig trägt Vor­hang im „ge­stie­fel­ten Ka­ter“

Ein Bei­spiel: Der Kö­nig im ge­stie­fel­ten Ka­ter trägt ei­nen rie­si­gen Man­tel aus ei­nem Vor­hang, der ihr von Uschi Pe­ters, Ko­s­tüm­fach­frau beim Wan­ge­ner Kin­der­fest­thea­ter, über­las­sen wur­de. Die Zu­schau­er kön­nen auf ein bun­tes, ver­spiel­tes Ko­s­tüm­bild ge­spannt sein, das Ein­flüs­se vie­ler Epo­chen auf­greift.

Weil die 38-Jäh­ri­ge im An­schluss noch ein biss­chen Zeit hat, wird sie den Som­mer in Wan­gen auch noch ge­nie­ßen, wenn die Fest­spie­le be­reits be­gon­nen ha­ben. Und sie wird dann öf­ter im Zunft­win­kel sein und die Vor­stel­lun­gen mit be­treu­en.

FO­TO: SUM

Ko­s­tüm­bild­ne­rin El­ke Gat­tin­ger in ih­rem Ele­ment.

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