Tau­ben­pla­ge: „Es ist ein Alp­traum“

In der Ra­vens­bur­ger Alt­stadt kla­gen An­woh­ner über mas­si­ve Ver­schmut­zun­gen

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - OBERSCHWABEN - Von Frank Hau­tumm

RA­VENS­BURG - Ra­vens­burg hat ein Tau­ben­pro­blem. Vor al­lem An­woh­ner in der his­to­ri­schen Alt­stadt kla­gen zu­neh­mend über voll­ge­ko­te­te Haus­fas­sa­den, Gas­sen und In­nen­hö­fe. Die Stadt­ver­wal­tung ver­sucht, die Po­pu­la­ti­on zu steu­ern und ap­pel­liert gleich­zei­tig an die Ver­nunft der Men­schen, nicht aus falsch ver­stan­de­ner Tier­lie­be zu ei­ner wei­te­ren Ver­meh­rung der Tiere bei­zu­tra­gen. Das geht ei­ni­gen nicht weit ge­nug.

„Tau­ben­pla­ge im Hof“, ist ein Pla­kat an der „Ga­le­rie 2106“(vor­mals Ga­le­rie Höl­der) in der Markt­stra­ße über­schrie­ben. Wei­ter heißt es: „Lie­be Be­su­cher der Ga­le­rie, lie­be Pas­san­ten, die­ser Hof ist in ei­nem er­schre­cken­den Zu­stand. Wir sind seit der Über­nah­me der Ga­le­rie­räu­me in in­ten­si­vem Kon­takt mit den Ver­ant­wort­li­chen der Stadt Ra­vens­burg und dem Ei­gen­tü­mer der Im­mo­bi­lie. Das Ab­stim­mungspro­ce­de­re er­weist sich be­dau­er­li­cher­wei­se als sehr lang­wie­rig“, so die Ge­schäfts­füh­re­rin­nen An- drea Dre­her und Ste­fa­nie Bü­che­le. In ei­nem Schreiben an Stadt und Land­kreis bit­ten die bei­den zu­gleich drin­gend um Hil­fe: „Es ist ein wah­rer Alp­traum.“Und: „Der Zu­stand des Ho­fes im äl­tes­ten Ge­bäu­de der Stadt ist be­dau­er­lich­wei­se er­bärm­lich und ei­ne ech­te Schan­de für Ra­vens­burg.“

Bei­lei­be kein Ein­zel­fall, sagt CDUS­tadt­rat Rolf Eng­ler, bei dem sich zu­letzt meh­re­re Bür­ger über ei­ne star­ke Ver­meh­rung der Tau­ben in der In­nen­stadt be­schwert ha­ben. „Der ag­gres­si­ve Kot führt zur Ver­schmut­zung und zu Schä­den an den his­to­ri­schen Ge­bäu­den. Und na­tür­lich sind im­mer auch die Ge­fah­ren für die Gesundheit zu be­den­ken. Tau­ben über­tra­gen Krank­hei­ten“, sagt Eng­ler. Er hält Zu­stän­de wie im Hin­ter­hof der Marktsra­ße 59 für un­halt­bar und for­dert die Ver­wal­tung auf, ein Kon­zept zur „Be­kämp­fung der Tau­ben­pla­ge“zu er­stel­len und da­bei die Haus­be­sit­zer ein­zu­be­zie­hen. Eng­ler hat zu­dem be­ob­ach­tet, dass Tau­ben re­gel­mä­ßig un­er­laubt ge­füt­tert wür­den, im gro­ßen Stil bei­spiels­wei­se am Un­ter­tor.

Die Stadt be­stä­tigt, dass es Beschwerden we­gen der Tau­ben im his­to­ri­schen Zen­trum ge­be. „Ge­naue Zah­len über die Po­pu­la­ti­on ha­ben wir kei­ne, aber wir spre­chen von ei­nem mitt­le­ren Ni­veau, das schon ein ge­wis­ses Pro­blem dar­stellt“, sagt Al­f­red Os­wald, Spre­cher der Stadt­ver­wal­tung. „Uns geht es da wie vie­len an­de­ren grö­ße­ren Städ­ten auch.“Die bei­den Tau­ben­häu­ser an der Stadt­mau­er hin­ter dem Bru­der­haus und am Gäns­bühl-Cen­ter wür­den des­halb vom Tier­schutz­ver­ein im Auf­trag der Stadt ge­pflegt: „Un­ter an­de­rem tau­schen die Mit­ar­bei­ter re­gel­mä­ßig frisch ge­leg­te Eier ge­gen Gip­s­ei­er aus, um den Bestand klein zu hal­ten. Aber die Tau­ben ver­meh­ren sich na­tür­lich trotz­dem“, sagt Os­wald.

Das so­ge­nann­te „Re­gens­bur­ger Mo­dell“zieht Ra­vens­burg der­zeit noch nicht in Er­wä­gung. „Das ist ei­ne recht teu­re Lö­sung.“Beim „Re­gens­bur­ger Mo­dell“wer­den die Tau­ben auf­wen­dig aus­quar­tiert. Die Idee ist, die Tau­ben schritt­wei­se ein­zu­fan­gen und au­ßer­halb der Alt­stadt in ei­nem Ge­bäu­de mit ei­ner Vo­lie­re an­zu­sie­deln. In Ra­dolf­zell soll das im nächs­ten Jahr eben­falls prak­ti­ziert wer­den, auch dort gibt es ein ve­ri­ta­bles Pro­blem mit rund 900 Tau­ben, die die Stadt ge­zählt hat.

Die Ra­vens­bur­ger Ver­wal­tung hin­ge­gen ver­weist auf das Füt­ter­ver­bot: „Tau­ben­füt­tern, ei­ne falsch ver­stan­de­ne Tier­lie­be, die so­gar ge­fähr­lich ist. Wir ap­pel­lie­ren drin­gend an die Leu­te, das sein zu las­sen. Die Tau­ben fin­den ge­nug zu fres­sen“, sagt Os­wald. CDU-Mann Rolf Eng­ler ge­nügt das nicht: „Das kann man nicht so lau­fen las­sen. Wir müs­sen die Po­pu­la­ti­on re­du­zie­ren, die Tau­ben ge­zielt dort ver­trei­ben, wo wir sie nicht ha­ben wol­len, und wir müs­sen das Füt­te­rungs­ver­bot stär­ker kon­trol­lie­ren.“Manch­mal ge­nü­ge ei­ne klei­ne Maß­nah­me: „Den Hin­ter­hof der Ga­le­rie ha­be ich mir zu­sam­men mit Feu­er­wehr­kom­man­dant Claus Erb an­ge­schaut. Da wür­de schon ein Netz über der Feu­er­lei­ter, auf der die Tau­ben ho­cken, sehr viel be­wir­ken.“

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