Frau bei Schub­se­rei ver­letzt

Amts­ge­richt Kemp­ten: 24-Jäh­ri­ger muss 2250 Eu­ro zah­len

Schwaebische Zeitung (Wangen) - - BLICK INS ALLGÄU -

KEMP­TEN (se) - Wie teu­er ein aus­ge­las­se­ner Dis­ko­abend aus­ge­hen kann, hat jetzt ein 24-Jäh­ri­ger im Kemp­te­ner Amts­ge­richt er­fah­ren. Der jun­ge Mann war sich kei­ner Schuld be­wusst, als er im Herbst mit Freun­den auf der Tanz­flä­che fei­er­te. Im Um­feld der Grup­pe be­kam aber ei­ne jun­ge Frau ei­nen Schlag aufs Ohr ab. Ei­ne Zeu­gin will den An­ge­klag­ten als den­je­ni­gen er­kannt ha­ben, der die 20-Jäh­ri­ge ver­letzt ha­be. 50 Ta­ges­sät­ze we­gen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung muss der Er­zie­her nun be­rap­pen – macht für ihn 2250 Eu­ro.

Vor­sätz­li­che Kör­per­ver­let­zung stand ur­sprüng­lich in ei­nem Straf­be­fehl. Da­mals ging die Staats­an­walt­schaft noch da­von aus, dass der Mann ab­sicht­lich zu ei­nem Faust­schlag auf ei­nen Kon­tra­hen­ten aus­ge­holt und da­bei die Dis­ko-Gän­ge­rin ge­trof­fen hät­te. 90 Ta­ges­sät­ze hielt die An­kla­ge für an­ge­mes­sen.

Da­ge­gen leg­te der Be­schul­dig­te Ein­spruch ein. Von Vor­satz war in der Ver­hand­lung denn auch nicht mehr die Re­de. Um Schub­se­rei­en ging es in dem Kemp­te­ner Lo­kal – nicht un­üb­lich, wenn beim Elek­tro-Sound die Kör­per in Wal­lung ge­ra­ten. Jun­ge Ker­le ma­chen sich gern ei­nen Sport dar­aus, ein­an­der beim so­ge­nann­ten „Po­gen“zu rem­peln und zum Spaß aus dem Gleich­ge­wicht zu brin­gen.

Ei­ne 19-Jäh­ri­ge sag­te aus, den An­ge­klag­ten als den Tän­zer zu er­ken­nen, der ih­re Freun­din ge­trof­fen ha­be. Ei­ne dunk­le Base­ball­müt­ze war für sie das ent­schei­den­de In­diz. Aus­lö­ser der Ag­gres­sio­nen sei aber ein an­de­rer Gast ge­we­sen: „Ich weiß auch nicht, ob das al­les nur aus ei­nem Re­flex her­aus ge­schah.“

Noch vor Ort ging der 24-Jäh­ri­ge nach sei­nen An­ga­ben auf die Ge­schä­dig­te zu. Sei­ne Freun­din bot an, die­se ins Kran­ken­haus zu fah­ren, als sich her­aus­stell­te, dass die 20-Jäh­ri­ge et­was ab­be­kom­men hat­te. Im ärzt­li­chen At­test war spä­ter die Re­de von ei­ner Ge­hirn­er­schüt­te­rung und ei­nem vor­über­ge­hen­den Ge­hör­ver­lust. Er­in­nern kann sich die Frau an die Zu­sam­men­hän­ge nicht mehr. 200 Eu­ro Schmer­zens­geld hat der An­ge­klag­te be­reits vor der Ver­hand­lung über­wie­sen. „Das fin­de ich al­ler­dings mick­rig“, sag­te die Ge­schä­dig­te.

Ver­tei­di­ger Oli­ver Aheg­ger woll­ten das Ver­fah­ren ein­stel­len las­sen. Die Staats­an­wäl­tin hielt 50 Ta­ges­sät­ze we­gen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung für an­ge­mes­sen. Dem folg­te Rich­ter An­dy Kögl. Das Op­fer sei schließ­lich re­la­tiv schwer ver­letzt wor­den. Der An­ge­klag­te ha­be sich in der Dis­ko als un­be­lehr­bar ge­zeigt, ob­wohl er auf sei­nen aus­ufern­den Tanz­stil an­ge­spro­chen wor­den sei.

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