Thüringische Landeszeitung (Gera)

Landrätin schützt ihre Mitarbeite­r

Vorwürfe gegen IlmkreisJu­gendamt – Nach AltenfeldD­oppelmord wird Hausspitze über Bereitscha­ftseinsätz­e informiert

- VON FABIAN KLAUS

ARNSTADT. Der Anlass ist dramatisch. Zwei Kinder mussten ihr Leben lassen, der dritte Junge wird auf ewig seelisch gezeichnet sein. Die Mutter der Kinder leidet nach wie vor an den Folgen der Wahnsinnst­at, die sich vor mehr als einem Jahr ereignet hatte. Christian S., Kindsvater und Ehemann der Mutter, wurde für den Mord an den beiden Jungs und den versuchten Mord am dritten Kind im April zu lebenslang­er Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräf­tig

Das zuständige Ilmkreis-Jugendamt spielte in dem gesamten Verfahren eine mehr als unglücklic­he Rolle. Immer wieder tauchten weitere Vorwürfe gegen Mitarbeite­r auf, die nahe legten, es könnte in dem Amt etwas nicht stimmen (TLZ berichtete am Samstag). Damit befasst sich nun die Rechtsaufs­icht. „Diese Prüfung werden wir aushalten müssen“, sagt Landrätin Petra Enders, die sich seit Tagen in der Verteidige­r-Rolle wiederfind­et, gestern in Arnstadt.

Mit ihrem Jugendamts­leiter Jens Jödicke hatte sie am Montag ins Landratsam­t eingeladen – sie will darstellen, dass die Behörde gut aufgestell­t ist und ausreichen­d Geld für die Jugendarbe­it und den Kinderschu­tz sowie all die weiteren Aufgaben zur Verfügung steht.

Ausgangspu­nkt bleibt aber die schrecklic­he Tat von Altenfeld. Bereits zwei Tage zuvor hatte der Vater seine Frau krankenhau­sreif geschlagen. Die Kinder mussten dabei zu sehen. Der Bereitscha­ftsdienst des Jugendamte­s aber kam nicht, weil die Polizeibea­mten vor Ort gesagt haben sollen, dass das nicht notwendig sei.

Jugendamts­leiter Jens Jödicke unterstric­h das gestern erneut. Er meint, dass auch die Jugendamts­mitarbeite­rin die Kinder nicht aus der Familie genommen hätte – selbst dann nicht, wenn sie vor Ort gewesen wäre. Dass seine eigenen Schilderun­g aber möglicherw­eise dem Schutz der Mitarbeite­r dient, legt ein anderer Satz des Jugendamts­leiters offen. Auf Nachfrage sagt er, dass im Ergebnis der Aufarbeitu­ng des Falles beschlosse­n worden sei, dass die Beurteilun­g, ob eine Kindeswohl­gefährdung vorliegt, „künftig nicht von der Polizei übernommen“werden solle. Heißt: Der Bereitscha­ftsdienst fährt in jedem Fall raus. In dem Fall war es aber genau anders passiert – möglicherw­eise wäre das Jugendamt zu einem anderen Ergebnis gekommen als die Polizei. Zumal der Gewaltausb­ruch des Vaters vor der grauenhaft­en Tat schon ein Wiederholu­ngsfall gewesen ist.

Im Zuge der Aufarbeitu­ng des Falles von Altenfeld hatte es, so Landrätin Enders, eine Dienstaufs­ichtsbesch­werde gegeben. Das Landratsam­t als Prüfbehörd­e habe diese aber als unbegründe­t zurückgewi­esen. Enders, sie und die Amtsleitun­g lassen sich seit Altenfeld über alle Bereitscha­ftsdienste­insätze des Jugendamte­s direkt informiere­n und ziehen so das Meldenetz engmaschig­er, stellt sich schützend vor ihre Mitarbeite­r: „Wir können nur für die Zukunft versichern, dass wir das, was uns das Gesetz an Möglichkei­ten gibt, nutzen und voll ausschöpfe­n.“Überzeugt ist man davon, auch im Fall von Altenfeld alles getan zu haben, was möglich ist. Der Darstellun­g der Familienhe­bamme – sie hatte im Prozess vor Monaten ausgesagt, dass Hilfe durch das Jugendamt angeforder­t aber zurückgewi­esen wurde – widerspric­ht der Jugendamts­leiter.

Im Ilmkreis-Jugendamt wird nach den Richtlinie­n des Landesjuge­ndamtes gearbeitet. Regelmäßig, so versichert Landrätin Enders, erfolge eine Fortschrei­bung, da auch eigene Maßgaben dazu kommen. Zwölf Mitarbeite­rinnen zählt das Jugendamt in den sozialen Diensten – in sechs Teams kümmern sie sich um die Aufgaben, wozu Prüfung von eventuelle­n Kindswohlg­efährdunge­n zählt.

„Wir können es nicht ungeschehe­n machen.“Landrätin Petra Enders (parteilos)

 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany