Wertinger Zeitung

Neuer Trainer, altes Leid

Der FC Ingolstadt wollte nichts mit den unteren Tabellenre­gionen zu tun haben, manch einer liebäugelt­e gar mit dem Aufstieg. Die Realität sieht anders aus: Abstiegska­mpf

- VON BENJAMIN SIGMUND

Es ist nicht allzu lange her, da gehörte der FC Ingolstadt zu den besten 18 deutschen Vereinen. Zwei Jahre spielten die Oberbayern in der Bundesliga, ärgerten mit leidenscha­ftlichen Auftritten so manchen Branchenpr­imus.

Zeiten, die erst knapp eineinhalb Jahre zurücklieg­en und doch meilenweit entfernt erscheinen. Nach der jüngsten 1:2-Heimpleite gegen den SC Paderborn – es war die fünfte Niederlage hintereina­nder – war für FCI-Geschäftsf­ührer Harald Gärtner der Zeitpunkt gekommen, die Saisonziel­e des Zweitligis­ten zu korrigiere­n. „Es müssen alle wahrnehmen, dass es nur um den Klassenerh­alt geht und um nichts anderes“, sagte er. „Wir stehen zu Recht da unten, weil wir zu wenig gepunktet haben. Es wird ein steiniger und harter Weg. Für uns ist es enorm wichtig, in dieser Liga zu bleiben.“Mit mageren fünf Punkten nach neun Spieltagen sind die Schanzer Tabellensc­hlusslicht. Der direkte Nichtabsti­egsplatz ist vier Zähler entfernt. Dabei hatte das ursprüngli­che Saisonziel ganz anders ausgesehen. „Wir wollen besser sein als Platz neun“, lautete die offizielle Variante von FCI-Sportdirek­tor Angelo Vier. Doch insgeheim hatten sich die Schanzer mehr erhofft. Die Transferau­sgaben waren auf den Aufstiegsk­ampf ausgericht­et. Nur Absteiger 1. FC Köln gab in der zweiten Liga mehr aus. Zur Stelle sein wollte man, wenn die Favoriten aus Köln und Hamburg Schwächen zeigen. Davon kann nach den bisherigen Vorstellun­gen der Ingolstädt­er allerdings keine Rede mehr sein.

Die übliche Reaktion im Profisport, bei Misserfolg den Trainer auszutausc­hen, hat der FCI bereits vollzogen. Vereinsurg­estein Stefan Leitl musste nach sechs Spieltagen gehen und wurde durch Alexander Nouri ersetzt. Doch der ehemalige Bundesliga­coach von Werder Bre- men mutierte zum „1:2-Trainer“. Mit diesem Ergebnis endeten seine drei Partien auf der FCI-Bank. Auch der Trainerwec­hsel ist somit vorerst verpufft. Zwei Wochen Zeit habe man nun während der Länderspie­lpause, intensiv zu arbeiten. Das sagen Gärtner, Nouri und auch die Spieler.

Noch kann Nouri kein Vorwurf gemacht werden. Er hat weder den Kader zusammenge­stellt noch hatte er eine Vorbereitu­ng und die Möglichkei­t, die Spieler auf sein präferiert­es 3-5-2-System einzustell­en. Die Akteure auf dem Rasen mussten sich indes nicht das erste Mal an einen neuen Übungsleit­er gewöhnen. Nach der Ära Ralph Hasenhüttl, der drei Jahre blieb, den Verein in die Bundesliga führte und dort hielt, ist der Verschleiß auf der wichtigen Position immens.

Markus Kauczinski, Maik Walpurgis und Leitl durften maximal ein Jahr bleiben. Kontinuitä­t sieht anders aus. Auch der Kader hat nichts mehr mit dem gemein, der einst ins Oberhaus marschiert­e und dort für Furore sorgte. Mit Almog Cohen (derzeit verletzt) und Marvin Matip sind zwei Spieler übrig, die 2015 aufstiegen. Fünf Profis sind noch in Ingolstadt, die 2017 wieder abstiegen. Auch der Umbruch diesen Sommer war riesig. Zehn Profis verließen den Verein, neun neue kamen hinzu. Wirklich überzeugen konnte allerdings keiner.

„Es muss eine Gruppendyn­amik entstehen, es muss ein anderer Geist in der Mannschaft sein“, sagte Leitl vor der Saison. Weder ihm noch seinem Nachfolger Nouri ist es bis jetzt gelungen, diesen zu wecken. Fußballeri­sch verfügen die Schanzer durchaus über Qualität.

Doch Tugenden wie Leidenscha­ft und Kampfgeist, die in der zweiten Liga in erster Linie gefragt sind, bekamen die übrig geblieben Zuschauer – gegen Paderborn kamen lediglich noch 7594 – lange nicht mehr zu sehen. Die deutschen Frauen haben in der zweiten WM-Gruppenpha­se gegen Europameis­ter Serbien verloren und müssen ihre vagen Hoffnungen auf das Erreichen der nächsten Runde begraben. Einen Tag nach dem überrasche­nden Sieg gegen den zweimalige­n Olympiasie­ger Brasilien unterlag die Mannschaft von Bundestrai­ner Felix Koslowski am Montag in Nagoya mit 0:3 (14:25, 20:25, 20:25). Der Europameis­ter hat noch keinen Satz bei dieser WM abgegeben. Nach einem spielfreie­n Tag trifft Deutschlan­d am Mittwoch (9.10 Uhr) auf Puerto Rico. Nur die ersten drei Mannschaft­en aus der deutschen Gruppe E erreichen die nächste Runde. (dpa) Der 1. FC Heidenheim hat den Vertrag mit Cheftraine­r Frank Schmidt vorzeitig um drei weitere Jahre bis 2023 verlängert. Der dienstälte­ste Trainer im deutschen Profifußba­ll ist seit 2007 für die erste Mannschaft des FCH verantwort­lich und führte den Klub seither von der Oberliga in die 2. Bundesliga. In der vergangene­n Saison hatte sich der 1. FC Heidenheim erst am letzten Spieltag den Klassenerh­alt gesichert. In dieser Spielzeit liegt der Verein nach neun Spieltagen auf dem zehnten Rang. (dpa)

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