Be­zie­hun­gen zu Kin­dern: Jun­ger Mann muss in Knast

Ein 18-Jäh­ri­ger küsst ei­ne 13-Jäh­ri­ge. Ei­nem an­de­ren Mäd­chen fasst er an das Ge­säß – und das al­les bei schwer­wie­gen­den Vor­stra­fen

Wertinger Zeitung - - Erste Seite -

Ein 18-Jäh­ri­ger küsst ei­ne 13-Jäh­ri­ge und fasst ei­ner 15-Jäh­ri­gen ans Ge­säß. Da er vor­be­straft ist, muss er ins Ge­fäng­nis.

der 15-Jäh­ri­gen zwei­mal an den Po ge­fasst ha­ben soll, gibt er erst mit Ver­zö­ge­rung zu. Zu­nächst gibt er an, be­trun­ken ge­we­sen zu sein und sich nicht mehr zu er­in­nern. Dann sagt er, dass es so ge­we­sen sein könn­te, er es aber nicht mehr wis­se. Erst auf Rück­spra­che mit sei­nem An­walt Rü­di­ger Pre­s­tel gibt er auch die­se Tat zu – eben­so wie das Weg­schub­sen des Mäd­chens.

Vor Ge­richt kommt der per­sön­li­che Hin­ter­grund des Man­nes zur Spra­che. Die Ver­hält­nis­se zu Hau­se sind schwie­rig. Zeit­wei­se hat er bei an­de­ren Fa­mi­li­en ge­lebt, un­ter an­de­rem auch bei der 15-Jäh­ri­gen, die er spä­ter be­grapscht hat. Er ha­be ein Dro­gen­pro­blem ge­habt, die­ses of­fen­bar über­wun­den. Ein Pro­blem ist je­doch nach wie vor der Al­ko­hol. Da­zu kom­me ei­ne Ver­schie­bung sei­ner se­xu­el­len Ori­en­tie­rung, be­rich­tet sei­ne Be­wäh­rungs­hel­fe­rin: „Er ist sehr ein­fach struk­tu­riert und fin­det kei­ne al­tersad­äqua­te Freun­din.“Bei jun­gen Mä­dels ha­be er es leich­ter an­zu­kom­men. Die Be­wäh­rungs­hel­fe­rin schlägt ei­ne Se­xu­alund Al­ko­holthe­ra­pie vor. Ju­gend­ge­richts­hel­fe­rin Chris­ti­ne Fi­scher be­stä­tigt ein „mas­si­ves“Al­ko­hol­pro­blem und schwie­ri­ge Ver­hält­nis­se zu Hau­se. Sie macht je­doch deut­lich, dass das lau­fen­de Jahr „für ihn spricht“. Er woh­ne wie­der bei sei­ner Mut­ter und ha­be, ob­wohl er kei­nen Ab­schluss vor­zu­wei­sen hat, ei­nen Job ge­fun­den. „Ich ten­die­re zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe“, sagt sie.

Staats­an­wäl­tin Bir­git Milzarek sieht das an­ders. Zwar hal­te sie dem An­ge­klag­ten zu­gu­te, dass er ge­stän­dig ist, Al­ko­hol im Spiel war und die Ver­let­zun­gen nicht gra­vie­rend wa­ren. Ein Punkt spre­che je­doch „ganz mas­siv“ge­gen ihn: die ein­schlä­gi­ge Vor­stra­fe. Das vor­an­ge­gan­ge­ne Ur­teil ha­be ihn „null“be­ein­druckt. „Ich hal­te ei­ne Ju­gend­stra­fe für ab­so­lut er­for­der­lich, die nicht mehr zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt ist“, sagt die Staats­an­wäl­tin, die zwei Jah­re und drei Mo­na­te for­dert. Ver­tei­di­ger Pre­s­tel führt das Ge­ständ­nis sei­nes Man­da­ten ins Feld und ar­gu­men­tiert, dass ei­ne The­ra­pie sinn­vol­ler als ei­ne Haft­stra­fe sei. „Wir müs­sen die Wei­chen stel­len, dass sich so et­was nicht wie­der­holt.“Das Schöf­fen­ge­richt um Rich­te­rin Held folgt der Ar­gu­men­ta­ti­on der Staats­an­wäl­tin. „Die The­ra­pi­en sind er­for­der­lich, das geht aber nur noch in der JVA“, sagt Held und ver­ur­teilt den An­ge­klag­ten zu ei­ner Ju­gend­stra­fe von zwei Jah­ren und drei Mo­na­ten. Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

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