So spal­tet die See­ho­fer-Fra­ge die Par­tei

An der CSU-Ba­sis wird der Groll ge­gen den Vor­sit­zen­den im­mer lau­ter, in der Lan­des­grup­pe ist die Zu­stim­mung noch hoch. Kommt es nach der Wahl zum gro­ßen Knall?

Wertinger Zeitung - - Politik -

Land­tags­wahl. Und da­mit bei Horst See­ho­fer.

Nach An­ga­ben aus Teil­neh­mer­krei­sen be­rich­ten vie­le der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker von ei­ner dras­tisch schwin­den­den Zu­stim­mung der CSU-Ba­sis zum Vor­sit­zen­den. Das Vor­ge­hen von Horst See­ho­fer sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer un­ver­ständ­li­cher ge­wor­den, so die Kla­ge. Schon als Mi­nis­ter­prä­si­dent ha­be See­ho­fer schwe­re Feh­ler ge­macht. Et­wa als er 2014 die CSU als Eu­ro­pa­par­tei po­si­tio­niert ha­be, die aber gleich­zei­tig ge­gen Eu­ro­pa sei. In der Flücht­lings­po­li­tik ha­be sich See­ho­fer zwei Jah­re lang ein Du­ell mit der Bun­des­kanz­le­rin ge­lie­fert, stän­dig neue Droh­ku­lis­sen auf­ge­baut – nur um sich dann kurz vor der Wahl wie­der in bes­ter Ein­tracht mit An­ge­la Mer­kel zu zei­gen. Vie­le Wäh­ler hät­ten das bis heu­te we­der ver­stan­den noch ver­zie­hen.

Als In­nen­mi­nis­ter, kri­ti­sie­ren CSU-Land­rä­te, ha­be See­ho­fer mehr­fach die Re­gie­rung an den Rand des Schei­terns ge­bracht, in der Sa­che aber we­nig er­reicht. Der CSU ha­be das rie­si­gen Scha­den zu­ge­fügt. Ei­ner­seits hät­ten sich kon­ser­va­ti­ve Wäh­ler der AfD zu­ge­wandt, weil sie Kon­se­quenz in der Flücht­lings­po­li­tik ver­miss­ten. An­de­rer­seits, ana­ly­siert ein Land­rat, ha­be ei­ne „teils über­har­te flücht­lings­kri­ti­sche Rhe­to­rik“kir­chen­na­he Krei­se in der CSU ver­schreckt. Vie­le Mit­glie­der von Flücht­lings­hel­fer­krei­sen in den Pfarr­ge­mein­den wür­den nun wohl die Grü­nen wäh­len.

In der Wirt­schaft ge­be es Un­ver­ständ­nis, wenn gut in­te­grier­te Mi­gran­ten mit Aus­bil­dungs- oder Ar- beits­platz ab­ge­scho­ben wür­den. Ein Land­rat sagt: „Spä­tes­tens seit der Maa­ßen-Af­fä­re ist klar, dass See­ho­fer nicht mehr der rich­ti­ge Mann ist, um die CSU in die Zu­kunft zu füh­ren. Wenn die Wahl so schlecht aus­geht wie be­fürch­tet, soll­te er auf je­den Fall die Kon­se­quen­zen zie­hen und sei­nen Hut neh­men.“

In der CSU-Lan­des­grup­pe ist die Stim­mungs­la­ge we­ni­ge Ta­ge vor der Land­tags­wahl deut­lich an­ders. Zwar räumt auch der ei­ne oder an­de­re Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te ein, dass in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on die Din­ge al­les an­de­re als per­fekt lau­fen. Und dass Horst See­ho­fer si­cher Feh­ler ge­macht ha­be. Doch meh­re­re Par­la­men­ta­ri­er äu­ßern hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand mas­si­ve Kri­tik an Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der. Dass der die Ver­ant­wor­tung für die dro­hen­de Wahl­schlap­pe be­reits nach Ber­lin ab­ge­scho­ben ha­be, sei nicht nur un­lau­ter, son­dern ein schwe­rer tak­ti­scher Feh­ler. Im Wahl­kampfEnd­spurt kä­me es doch auf Ge­schlos­sen­heit an, nur so kön­ne es noch ge­lin­gen, die Stim­mung zu dre­hen. Auch die Par­tei­freun­de in der baye­ri­schen Lan­des­po­li­tik müss­ten sich ih­rer Ver­ant­wor­tung für die Mi­se­re stel­len.

„Es ist im Wahl­kampf doch viel zu we­nig ge­lun­gen, die lan­des­po­li­ti­schen Stär­ken der CSU aus­zu­spie­len“, sagt ein CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter. Sö­der ha­be selbst Feh­ler ge­macht – und an man­chen Feh­lern, die See­ho­fer an­ge­las­tet wür­den, sei­nen An­teil. Im Flücht­lings­streit ha­be Sö­der die kom­pro­miss­lo­se Li­nie vor­ge­ge­ben, die fast zum Bruch zwi­schen CSU und CDU ge­führt ha­be. Wer be­reits jetzt Horst See­ho­fer zum Sün­den­bock er­klä­re, ma­che es sich viel zu ein­fach.

Zum Rück­tritt ge­zwun­gen wer­den, sagt ein an­de­res Mit­glied der Lan­des­grup­pe, kön­ne See­ho­fer oh­ne­hin nicht. Und dass er noch lan­ge nicht ans Auf­hö­ren denkt, das hat der CSU-Chef und In­nen­mi­nis­ter zu­letzt im­mer wie­der klar­ge­macht. Ein Mi­nis­ter­prä­si­dent und Spit­zen­kan­di­dat Sö­der, der das mög­li­cher­wei­se his­to­risch schlech­tes­te Er­geb­nis der CSU bei ei­ner Land­tags­wahl zu­min­dest mit­ver­ant­wor­ten müss­te, könn­te nach Mei­nung ei­ni­ger CSUAb­ge­ord­ne­ter nicht ge­nü­gend Druck auf­bau­en, um See­ho­fer zu stür­zen.

Al­len­falls das Sze­na­rio, dass See­ho­fer bei ei­nem sehr schlech­ten Wah­l­er­geb­nis aus frei­en Stü­cken die Par­tei­spit­ze räumt, gilt in der Lan­des­grup­pe als vor­stell­bar. Doch der Frust über Par­tei­freun­de in Bay­ern, spe­zi­ell die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten im Münch­ner Ma­xi­mi­lia­ne­um, die es im­mer bes­ser wüss­ten, sitzt tief bei den CSU-Leu­ten in Ber­lin. In ei­ner Ko­ali­ti­on mit CDU und SPD sei­en die Mög­lich­kei­ten, die rei­ne CSU-Leh­re durch­zu­set­zen, nun mal deut­lich be­grenz­ter als in ei­ner Al­lein­re­gie­rung. „Die Kol­le­gen in Mün­chen ha­ben eben kei­ne Ko­ali­ti­ons­er­fah­rung“, sagt ein Mit­glied der Lan­des­grup­pe. Und dann rutscht ihm noch her­aus: „Aber das wird sich ja jetzt wohl än­dern.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.