Die­sel wer­den zum La­den­hü­ter

In Deutsch­land geht die Zahl der Neu­zu­las­sun­gen stark zu­rück. Ein Ex­per­te er­klärt, was mit nicht ver­kauf­ten Ge­braucht­wa­gen pas­siert

Wertinger Zeitung - - Wirtschaft -

zu­las­sun­gen im glei­chen Zei­t­raum um 14 Pro­zent.

Laut Brat­zel sind es mo­men­tan haupt­säch­lich Un­ter­neh­men, die neue Die­sel­fahr­zeu­ge kau­fen be­zie­hungs­wei­se lea­sen. Bei Pri­vat­kun­den sei an­ge­sichts der ak­tu­el­len Ur­tei­le die Un­si­cher­heit zu groß, nicht mehr in die In­nen­städ­te fah­ren zu dür­fen. So hat­ten Ge­rich­te Fahr­ver­bo­te in Ham­burg und Stutt­gart ver­hängt. Auch in Ber­lin könn­te ein sol­ches Fahr­ver­bot bald kom­men. „Aus Sicht der Käu­fer ist ei­gent­lich nur der Die­sel Eu­ro 6d-temp ver­gleichs­wei­se si­cher“, meint Brat­zel. „Von die­sen Fahr­zeu­gen gibt es aber noch nicht so vie­le.“

Der Rück­gang zeigt sich nicht nur bei Neu­wa­gen, son­dern auch bei ge­brauch­ten Fahr­zeu­gen. „Äl­te­re Die­sel kön­nen mo­men­tan nur mit Ab­schlä­gen ver­kauft wer­den“, sagt Bran­chen­ken­ner Brat­zel. Vor al­lem in Städ­ten, in de­nen Fahr­ver­bo­te ab­seh­bar sind, sei es sehr schwer, ge­brauch­te Die­sel­au­tos los­zu­wer­den. Der Preis­rück­gang zeigt sich laut Brat­zel aber auch in den an­de­ren Re­gio­nen: „Dort zah­len die Händ­ler beim An­kauf auch nicht mehr für ein Die­sel­fahr­zeug.“

Der pro­ble­ma­ti­sche Rück­gang der Die­sel­käu­fe zeigt sich laut Brat­zel auch dar­an, wie vie­le Ta­ge die Au­tos bei den Händ­lern ste­hen. „Die Stand­ta­ge der Die­sel­fahr­zeu­ge sind hö­her als bei Ben­zi­nern“, sagt Brat­zel. Da­durch ver­lie­ren die Au­tos auch an Wert. Laut dem Die­sel­ba­ro­me­ter des DAT ste­hen Die­sel­ge­braucht­wa­gen durch­schnitt­lich 103 Ta­ge beim Au­to­händ­ler. Bei Ben­zin­au­tos sind es 80 Ta­ge. Doch was pas­siert mit nicht ver­kauf­ten Die­sel­fahr­zeu­gen? In­ner­halb ei­nes Jah­res stieg der Ex­port ge­brauch­ter Die­sel­au­tos um 20,5 Pro­zent. Das zeigt ei­ne Son­der­aus­wer­tung des Ex­port-/Im­port-Seis­mo­gra­fen (ESD/ISD) auf Grund­la­ge von Da­ten des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes. „Käu­fer im Aus­land freu­en sich über die deut­lich güns­ti­ge­ren Die­sel­fahr­zeu­ge“, sagt Brat­zel. Der Ex­port ins Aus­land sei oft die ein­zi­ge Mög­lich­keit, um die Die­sel­au­tos über­haupt los­zu­wer­den.

Äl­te­re Die­sel­fahr­zeu­ge ge­hen vor al­lem in Län­dern wie die Ukrai­ne, Kroa­ti­en, Slo­we­ni­en, Bul­ga­ri­en, Ru­mä­ni­en. Die Ex­por­te in die Ukrai­ne stie­gen um mehr als das Dop­pel­te. Neue­re Die­sel­au­tos wer­den da­ge­gen vor al­lem nach Sü­d­eu­ro­pa ex­por­tiert. Ein star­kes Wachs­tum gab es mit ei­nem Plus von mehr als 30 Pro­zent bei Ex­por­ten nach Spa­ni­en und Frank­reich.

In Län­der mit ho­hem Um­welt­be­wusst­sein wer­den Die­sel­fahr­zeu­ge da­ge­gen we­ni­ger ver­kauft. Der Ex­port nach Nor­we­gen ging 2017 um knapp 27 Pro­zent zu­rück.

Die Er­war­tun­gen der Apo­the­ker an Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) wa­ren groß. Er hat­te ver­spro­chen, zum Auf­takt des Deut­schen Apo­the­ker­ta­ges ein Ge­samt­pa­ket vor­zu­le­gen, wie er sich et­wa den Um­gang mit aus­län­di­schen Ver­sand­apo­the­ken oder ei­ne Neu­ge­stal­tung des Apo­the­ker­ho­no­rars vor­stellt.

Vor al­lem das The­ma Ver­sand­han­del treibt die deut­schen Apo­the­ker seit zwei Jah­ren um. Da­mals ent­schied der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof, dass sich Ver­sand­apo­the­ken aus dem Aus­land nicht an die Preis­bin­dung für re­zept­pflich­ti­ge Me­di­ka­men­te, die für ein­hei­mi­sche Apo­the­ker gilt, hal­ten müs­sen. Die Rich­ter be­grün­de­ten ih­re Ent­schei­dung da­mit, dass den aus­län­di­schen Apo­the­kern so der Zu­gang zum deut­schen Markt er­leich­tert wer­den soll. Das Ur­teil ver­är­ger­te die Apo­the­ker, die sich be­nach­tei­ligt sa­hen und seit­dem von der Po­li­tik ver­lang­ten, den Ver­sand­han­del mit ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Me­di­ka­men­ten zu ver­bie­ten.

Ent­spre­chend gro­ße Hoff­nun­gen setz­te die Bran­che in die Re­de des Ge­sund­heits­mi­nis­ters. Doch der stell­te gleich zu Be­ginn sei­ner Re­den klar, dass er kein fer­ti­ges Kon­zept mit­ge­bracht hat­te. Statt­des­sen kün­dig­te er an, die kom­men­den sechs bis sie­ben Mo­na­te ganz ins Zei­chen der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung zu stel­len und mit den Apo­the­kern in ei­ne Dis­kus­si­on tre­ten zu wol­len.

Der CDU-Po­li­ti­ker sag­te zwar: „Ich hal­te die Re­ge­lung zum Ver­sand­han­del, wie sie heu­te ist, für nicht fair.“Er schob aber gleich nach, dass es aus sei­ner Sicht vor al­lem eu­ro­pa­recht­li­che Be­den­ken ge­be, die ge­gen ein Ver­bot des Ver­sand­han­dels sprä­chen. Statt­des­sen schlug er vor, über neue Ein­nah­me­quel­len für Apo­the­ker nach­zu­den­ken. Ei­ne sei­ner Ide­en war un­ter an­de­rem, Imp­fun­gen künf­tig in Apotheken durch­zu­füh­ren. Das könn­te Arzt­pra­xen ent­las­ten und Apotheken vor Ort er­hal­ten. Er könn­te sich auch vor­stel­len, dass Apo­the­ker chro­nisch Kran­ken Fol­ge­re­zep­te aus­stel­len dür­fen. Die­se müss­ten dann, wenn ih­re Me­di­ka­men­te auf­ge­braucht sind, kei­nen Ter­min mehr beim Arzt ma­chen, um sich ein neu­es Re­zept zu ho­len, son­dern könn­ten di­rekt zur Apo­the­ke ge­hen. Was da­von Rea­li­tät wird, soll das nächs­te hal­be Jahr zei­gen.

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