An­fra­gen an den An­walt

ILAGOSON-Rechts­an­walts­kanz­lei be­ant­wor­tet Fra­gen un­se­rer Le­ser.

Costa del Sol Nachrichten - - Costa Del Sol -

Vor vier Mo­na­ten hat­te ich ei­nen Ver­kehrs­un­fall, bei dem ich dem vor­aus­fah­ren­den Au­to auf­fuhr und dies in ei­ner Mas­sen­ka­ram­bo­la­ge mit vier Au­tos en­de­te. Ob­wohl ich kaum Al­ko­hol ge­trun­ken hat­te, war das Er­geb­nis des Al­ko­hol­test po­si­tiv. Mein Au­to war ver­si­chert und die Ver­si­che­rung zahl­te Ent­schä­di­gun­gen an die an­de­ren Be­trof­fe­nen. Jetzt aber ver­langt die Ver­si­che­rung, dass ich die Be­trä­ge, die sie be­zahlt hat, zu­rück­er­stat­te. Ist das le­gal? Wo ist der Sinn ei­ner Ver­si­che­rungs­po­li­ce, wenn man spä­ter für die Kos­ten selbst auf­kom­men muss?

Die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men sind pri­va­te Un­ter­neh­men und da­her ver­su­chen sie, ih­re ei­ge­nen In­ter­es­sen zu ver­tei­di­gen. In die­sem Fall und auf­grund der Tat­sa­che, dass Sie po­si­tiv ge­tes­tet wur­den, hat das Un­ter­neh­men ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf die Er­stat­tung der ge­zahl­ten Be- trä­ge, da es sich bei Ih­rem Ver­hal­ten um ein über­mä­ßi­ges Ri­si­ko han­delt, das nicht ge­deckt ist.

Letz­tes Jahr be­rei­te­te ich ei­ne Par­ty zu Hau­se vor, um mei­nen Ge­burts­tag zu fei­ern und ich hat­te mei­ne bes­ten Freun­de da­zu ein­ge­la­den. Es war mir be­wusst, dass sich zwei von ih­nen nicht aus­ste­hen kön­nen aber ich dach­te, dass sie auf der Ge­burts­tags­par­ty ver­su­chen wür­den, gut mit­ein­an­der aus­zu­kom­men. Zu­erst igno­rier­ten sie sich aber nach ein paar Drinks fing ei­ner von ih­nen an, den an­de­ren auf­zu­zie­hen und schließ­lich schlu­gen sie sich so­gar. Am nächs­ten Tag sprach ich mit dem­je­ni­gen, der den Kampf be­gon­nen hat­te und er sag­te mir, dass er den an­de­ren ver­kla­gen wür­de, weil er ihn an­ge­grif­fen hat­te. Ich dach­te, er mein­te es nicht Ernst und ha­be dem nicht viel Be­deu­tung bei­ge­mes­sen.

Jetzt aber ha­be ich ei­ne Vor­la­dung er­hal­ten und muss als Zeu­ge vor Ge­richt er­schei­nen. Ich will da nicht hin­ge­hen, weil bei­de mei­ne Freun­de sind und mei­ner Mei­nung nach bei­de für den Kampf ver­ant­wort­lich sind. Kann ich mich wei­gern wenn ich be­haup­te, dass ich en­ge Be­zie­hun­gen zu ih­nen ha­be?

Nein, wenn das Ge­richt Sie of­fi­zi­ell vor­ge­la­den hat, ha­ben Sie die Pflicht zu er­schei­nen, da Sie an­dern­falls be­straft oder so­gar fest­ge­nom­men und we­gen Un­ge­hor­sams an­ge­klagt wer­den könn­ten. Be­vor Sie je­doch ei­ne Aus­sa­ge ma­chen, wird der Rich­ter fra­gen, ob Sie ei­ne Be­zie­hung zu ei­nem von ih­nen ha­ben oder ein be­son­de­res In­ter­es­se dar­an, dass ei­ner von ih­nen den Fall ge­winnt. Wenn Sie al­so sa­gen, dass Sie ein Freund bei­der sind, wird der Rich­ter in der La­ge sein, Ih­re Aus­sa­ge rich­tig ein­zu­schät­zen.

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