Thuringische Landeszeitung (Gotha)
„Dopingkontrolle mit Real-Madrid-Legende“
Interview der Woche: Der Gräfentonnaer Christian Bickel wird am 1. Mai mit den DFL-Legenden für krebskranke Kinder spielen. Wir sprachen mit dem Ex-Profi über das Spiel und seine fußballerische Karriere
Bad Frankenhausen. Christian Bickel geht das Herz auf. Wenn der Ex-Profifußballer hört, dass es um Kinder geht, ist er sofort dabei. So wird er am 1. Mai in Wiesbaden für die DFL-Legenden auflaufen, um krebskranken Kindern und deren Eltern zu helfen. Geld sammeln und was Gutes tun. so die Devise bei „Gemeinsam gegen Krebs, gemeinsam Kindern helfen.“Da musste der 34-Jährige nicht lange überlegen. Seit 2022 spielt er beim Thüringenligisten SV Blau-Weiß Bad Frankenhausen und fühlt sich in der Kurstadt sehr wohl. Zu den Stationen des Freistoßkünstlers aus Gräfentonna gehörten Rot-Weiß Erfurt, SC Freiburg, SC Paderborn, Hansa Rostock, FC Energie Cottbus, SSV Jahn Regensburg, FSV Zwickau oder auch der VfL Osnabrück und der Chemnitzer FC. Im Interview spricht der Bundeswehrangestellte über seine Vergangenheit und Zukunft, kuriose Szenen und das so wichtige Spiel im Mai.
Erklären Sie mal, was es mit dem Legendenspiel der DFL auf sich hat.
Es ist ein Turnier, bei dem für krebskranke Kinder Geld gesammelt wird, damit sie sich das Leben so gut wie möglich machen können und bestimmte Therapien oder Anwendungen bekommen können. Eine so wichtige Sache. Das wird am 1. Mai in Wiesbaden stattfinden. Wir stellen eine Mannschaft aus Freizeitsportlern und Ex-Profis.
Wen zum Beispiel?
Kevin Großkreutz beispielsweise. Oder auch der Ex-Schalker Jermaine Jones. Vor allem freue ich mich meinen alten Freund aus Rostocker Zeiten Steven Ruprecht, der nun Experte im Fernsehen der 3. Fußball-Liga ist.
Wie kam es zu der Nominierung?
Ich habe das bei Steven gesehen und gefragt, warum ich eigentlich da nicht dabei bin. Die Idee ist wirklich sehr gut. Und wenn es um Kinder geht, geht mein Herz auf, da wollte ich dabei sein. Fünf Minuten später hatte ich die Anfrage. So kam eins ins andere.
Sie werden als Zauberfuß und Freistoßkünstler betitelt. Stimmt das?
Also das kann man schon mal so stehen lassen. In meiner aktiven Zeit war es schon so, dass ich bei Standards auszeichnen konnte. Das war meine Stärke.
Wenn Sie an ihre Profikarriere zurückdenken, fallen Ihnen da ganz besondere Spiele ein?
Schwer zu sagen, es waren viele. Ein Highlight war beispielsweise mein erstes Spiel: DFB-Pokal mit Freiburg gegen Unterhaching im Sommer 2011. Das haben wir als Erstligist zwar verloren. Oder mein erstes Zweitligaspiel war mit Energie Cottbus gegen Jahn Regensburg. Das war im Februar 2013. Nicht unbedingt ein Spiel, eher an eine Situation erinnere ich mich noch gut. Wir waren mit Freiburg auf Schalke, ich im Kader. Eingesetzt wurde ich zwar nicht, aber ich musste nach dem Spiel zur Dopingkontrolle mit
der Real-Madrid-Legende Raul. Neben ihm in einen Becher pullern, das erlebt man nie wieder. (lacht)
Wann haben Sie eigentlich ihre Profikarriere beendet?
Im Sommer 2022. Das war ebenso noch was Besonderes, mein letztes Spiel. Das war im Sachsenpokal mit Chemnitz gegen Chemie Leipzig. Passend dazu hab ich das 2:1-Siegtor gemacht und wir haben den Landespokal geholt.
Dann ging es nach Bad Frankenhausen?
Richtig. Durch die Bundeswehr habe ich nun meinen Lebensmittelpunkt
hier gefunden. Hier fühle ich mich echt sehr wohl. Meine Frau hat einen Beruf hier, die Kinder sind hier in der Schule, wir haben ein Haus hier. Das passt alles bestens. Zwar muss ich mich in eineinhalb Jahren beruflich umorientieren, aber fußballerisch werde ich hier erhalten bleiben.
Wenn Sie an ihre Profikarriere zurückdenken, was vermisst man da?
Die Anspannung, das Adrenalin, das Kribbeln. Vor mehreren Tausenden Zuschauern zu spielen, das ist schon was ganz anderes. Ansonsten verschieben sich die Prioritäten, das ist ganz normal – und auch gut so.
Wie kam denn Ihre Profikarriere zustande?
Ich habe den Nachwuchs bei RotWeiß Erfurt durchlaufen. Mit 18 hat mich dann ein Scout bei einem Ländervergleich entdeckt und mich nach Freiburg gebracht. Das war wie ein Ritterschlag damals. Eine Riesenumstellung, die sich aber vollkommen gelohnt hat.
Haben Sie noch Kontakt zu den Vereinen und ehemaligen Mitspielern?
Das verläuft sich ein Stück weit. Aber man kennt sich und wenn man sich mal trifft, schnattern und lachen wir viel zusammen. Die Erfurter verfolge ich schon sehr. Ich habe dort mit Chipper (Anm. d. R. Carsten Kammlott) meine Jugend verbracht und mit Franz Gerber habe ich eine Vergangenheit in Regensburg. Da ich bereits im Nachwuchs als Trainer aktiv bin, kann sich vielleicht auch der Kreis in Erfurt schließen, wo sozusagen alles angefangen hat. Aber das ist Zukunftsmusik.
Wie schätzen Sie die Lage in ihrem jetzigen Verein ein? Zufrieden mit dem bisher Erreichten?
Ja, das kann man schon so sagen. Wir wollen uns stabilisieren, angekommen in der Liga sind wir allemal. Das passt alles. Die Tabelle ist zweigeteilt, wir führen die untere Hälfte an. Mehr wird nicht drin sein. Ich möchte auf jeden Fall mal Julia Ritter hervorheben. Sie hat sehr großen Anteil daran, dass wir so eine coole Truppe sind und dort stehen, wo wir gerade sind. Ihr habe auch ich viel zu verdanken.
Wie kann man das Niveau der Thüringenliga beschreiben?
Das ist recht gut, aber eben auch was anderes als im Profibereich, das ist völlig normal. Bei uns im Team sind echt gute Spieler dabei. So auch Chris Schlätzer, mit dem ich zusammen auf dem Internat war. Auch mit Alex Ludwig als Trainer haben wir einen echt guten Mann. Mit ihm hab ich noch in Cottbus zusammengespielt.
Sie sagten, dass Sie bereits im Nachwuchsbereich trainieren...
Ja richtig. Meine beiden Söhne sind sechs und neun. Sie trainieren bei uns im Verein zusammen mit Ronny Geisendorf. Das macht sehr viel Spaß und so kann ich meine Erfahrung weitergeben. Die Trainer-A-Lizenz erhalten – das wird mein nächstes großes Ziel. Aber nun geht es erstmal um die Kids.