Kleine Zeitung Steiermark : 2019-02-13

MEDIEN : 77 : 77

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Kleine Zeitung Mittwoch, 13. Februar 2019 Medien 77 | MEDIEN-TAGEBUCH Michael Tschida [email protected] Zwei Mal große Verblüffung Über die Generation D L etztens hatten wir Besuch von drei Studentinnen, die Näheres über die Arbeit in einem Kulturressort erfahren wollten. Eine davon fragte: „Warum sind die Spalten in Ihrer Zeitung eigentlich so schmal? Dadurch gibt es ja so viele Wortabteilungen, und die Texte sind dementsprechend schwer zu lesen!“ Ich versuchte es zu erklären – unter anderem mit Layoutstandards, größeren und kleineren Zeitungsformaten oder Untersuchungen von Leseverhalten, etwa durch Eye-tracking (Analysen von Blickbewegungen auf den Seiten via Spezialbrillen). Erst später schoss es mir ein: Die junge Frau hatte diese mich verblüffende Frage gestellt, weil sie schlicht und einfach gar keine Zeitung mehr liest, sondern nur noch Onlinemedien, in denen Spaltenbreite kein Thema ist. or rund 15 Jahren prognostizierte man auch in Medienhäusern das „papierlose Büro“. Bis dato ist noch das Gegenteil der Fall, bei meiner Nachbarin etwa türmt sich der „clean desk“oft einen halben Meter hoch. Kürzlich war ich in einem Büro von Jungdesignern, die auch schöne Printprodukte wie Weinetiketten oder Bücher gestalten. Auf ihren Schreibtischen aber: vier Apple imac Pro. Und sonst? Nix! Verblüffend! Kein Kuli! Kein Block! Kein Post-it! Nicht ein Futzerl Papier! Generation D. D wie digital. Wunderbar in der Titelrolle: Alicia von Rittberg als eigenwillige Lola beginnt am Bauhaus zu studieren ARD von Alicia von Rittberg) erhält durch die Gruppe junger Künstler gegen den Willen ihrer Familie die Chance, als Frau gleichberechtigt ihr Studium zu absolvieren. „Frauen wurden damals auf eher weibliche Bereiche wie Farbgebung und Textilien beschränkt. Aber die Geschichte der Frauen am Bauhaus macht Mut. Und ich würde mir wün- schen, dass wir Frauen uns heute noch mehr zutrauen und somit mit Vorurteilen über Geschlechterrollen in bestimmten Berufsfeldern brechen“, erklärt die prämierte Schauspielerin (u. a. ein Bambi für „Charité“). Im „Bauhäusler“Paul Seligmann (Noah Saavedra) findet Lotte nicht nur einen Unterstützer, sondern zudem ihre große Liebe. Seligmann folgt als Bau(dargestellt einem modernen Lebensentwurf – frei von nationalen, sozialen und gesellschaftlichen Barrieren. Mit der Zeit gerät das Bauhaus immer mehr unter politischen Druck der rechtskonservativen und nationalistischen Kräfte. „Die Bauhausfrauen“: Im Anschluss an „Lotte am Bauhaus“zeigt die ARD um 22 Uhr diese Doku über visionäre Frauen. DEUTSCHE FILMKRITIK Filmpreis für junge Steirerin Die deutsche Filmkritik hat „Das unmögliche Bild“von Sandra Wollner zum besten Spielfilm 2018 gekürt. Die Verleihung fand am Montagabend im Rahmen der „Woche der Kritik“in Berlin statt. Die Jury des preisverleihenden Verbands lobte den Film der 35-jährigen steirischen Regisseurin als „brillant“und nannte ihn „eine Offenbarung“. Die deutsch-österreichische Koproduktion „Das unmögliche Bild“erzählt eine Familiengeschichte aus der Wiener Nachkriegszeit. Durch die Linse ihrer Super8-kamera dokumentiert die 13-jährige Johanna den Alltag der Familie. Die Filmkritiker vergaben Preise in insgesamt zwölf Kategorien. V Bela B in David Schalkos Sechsteiler „M“als mysteriöser Seher ORF her), Krimi (Christian Dolezal als Kommissar) und Politikmediendrama (Moritz Bleibtreu als Verleger) pendelt. Ein kluges Spiel der Genres. Schrittweise schaukeln sich Angst und Wahn auf, und Polizei wie Gangster geraten ob der ungeklärten Mordserie unter Druck. Doch es gibt auch Krisengewinnler: Die Ereignisse würden zeigen, „dass die Gutmenschenpolitik das Werthaus-student vollste, was wir haben, aufs Spiel setzt. Das Leben unserer Kinder“, versucht der Innenminister (Dominik Maringer) von dem Drama zu profitieren. „M“ist große, mutige Serienkunst, hat eine eigene Bildsprache und ein beeindruckendes Ensemble – von Udo Kier und Lars Eidinger bis Thomas Frank. Zu sehen sind die ersten Folgen am Sonntag in ORF eins (20.15 Uhr). Daniel Hadler

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