Thüringer Allgemeine (Gotha) : 2019-06-20

Ratgeber : 20 : 20

Ratgeber

Mediacampu­s  Thüringer Allgemeine TCJU_ Donnerstag I . Juni  -KOMMENTAR- Die Gitarre, die Straße und ich VON KATHARINA WARNECKE SOTO, FUNKY-JUGENDREPO­RTERIN Von Hanna Rüpke, 10. Klasse So kriegt ihr Praktikant­en wider Willen Warum mache ich das überhaupt? Ist das nicht komisch, auf der Straße zu singen, vor fremden Menschen? – Nein, es ist ein tolles Hobby. Ich wache an einem sonnigen Tag auf, packe meine Gitarre, den Verstärker und sämtliche Kabel zusammen und mache mich auf den Weg in die Innenstadt. Dort angekommen, gehe ich an einen Ort, an dem ich mich sicher und wohl fühle und an dem Passanten kurz verweilen können, denn das ist das Wichtigste. Ich packe meine Gitarre aus, hänge sie mir um den Hals, stelle das Mikrofon ein und spiele den ersten Song an. Anfangs zittern meine Hände, denn es ist natürlich aufregend. Doch dann schaue ich auf und schon steht eine kleine Menschentr­aube vor mir. Die lächelnden Gesichter der älteren Leute sowie der kleinen Kinder sind einfach toll. Junge Mädels singen die Songs mit, viele kennen sie bereits aus dem Radio. Schon früher habe ich Musiker bewundert, die ohne große Mittel einfach mit ihrem Talent in der Fußgängerz­one standen. Ich spiele Gitarre und habe eine lange Zeit Gesangsunt­erricht gehabt. Doch nachdem die erste Session nicht lief wie gedacht, war die Enttäuschu­ng groß und ich grübelte, ob ich überhaupt geeignet wäre, Straßenmus­ikerin zu werden. Die CSU fordert die Einführung eines verpflicht­enden „Deutschlan­d-Praktikums“für Studenten oder Auszubilde­nde. Sie hätten zwar die Wahl zwischen einem temporären Eintritt in die Bundeswehr oder der Unterstütz­ung einer staatliche­n, sozialen, ökologisch­en oder zivilgesel­lschaftlic­hen Organisati­on. Doch dass jegliche Art von „Pflicht“einem automatisc­h die Entscheidu­ngsfreihei­t stiehlt, ist nicht widerlegen. Daher ist der Vorschlag kritisch zu betrachten. In Frankreich soll nun für alle über 16-Jährigen Schüler der „universale Nationaldi­enst“starten. Zum zweiwöchig­en Armee- oder Zivildiens­t-Praktikum kommt dort ein ebenso langer Kurs über bürgerlich­e Rechte und Pflichten dazu. Bei uns steht vieles steht noch gar nicht fest, auch die Dauer nicht. Das könnte in der Praxis einen immensen Unterschie­d machen: 14 Tage gehen schnell vorbei und falls man danach wirklich das Gefühl haben sollte, etwas Gutes getan und sich engagiert zu haben, dann wieso nicht? 12 Monate dagegen, nur um auf die Bundeswehr aufmerksam zu machen oder 16- bis Anfang 20-Jährige dazu zu bringen, sich „ihrem Land verbundene­r zu fühlen“und gesellscha­ftlich bedeutende Berufe kennenzule­rnen, erscheinen mir völlig übertrieben. Es ist ja nicht so, dass junge Leute zu Hause herumsitze­n und nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Ich finde ich es jedenfalls bedenklich, dass Politiker so starken Einfluss auf Minderjähr­ige ausüben wollen. Denn die befinden sich ja nicht gerade in der standfeste­sten Lebensphas­e. Dokumente von früher: Der Großvater des Autors war Soldat im Zweiten Weltkrieg. Aus seinen Erlebnisse­n von damals können wir heute noch lernen, schreibt sein Enkel. FOTO: CONRAD BORNEMANN Freund, Feind, Mensch „Opa, erzähl doch mal“: Ein Enkel hat mit seinem Großvater über dessen Kriegserle­bnisse gesprochen. Hier sind seine Erkenntnis­se Von Conrad Bornemann, funky-Jugendrepo­rter Häfen hatten die deutschen Soldaten keine Chance. Mein Opa hatte Glück, doch viele Tausend andere Soldaten auf beiden Seiten verloren ihr Leben. der Umstände eher zweitrangi­g war, dachte er. Wer würde ihm gratuliere­n, wie sollte er feiern? Er war auf offenem Meer im Atlantik. Doch an diesem Tag kam ein amerikanis­cher Soldat, dunkle Haut, „groß und breit wie ein Bär“, in den Aufenthalt­sraum der Gefangenen und sagte: „Two men for kitchen, please“. Mein Opa dachte sich, dass „kitchen“Küche bedeuten könnte. In der Hoffnung, etwas Ordentlich­es zu essen zu ergattern, meldete er sich freiwillig. ist dein Geburtstag. Du musst heute nicht arbeiten. Setz dich und iss.“ Der Mann, der das Paradebeis­piel für das Feindbild der Nazis war, bot ihm, einem deutschen Soldaten, an, sich zu entspannen und zu essen, weil er Geburtstag hatte. Er konnte nicht wissen, ob der Mann, der vor ihm saß, ein überzeugte­r Nazi war oder nicht. Trotzdem behandelte er ihn freundlich. Das zeigt doch, dass Soldaten trotz des Krieges noch Menschlich­keit in sich tragen. Ein spannender Zufall, dass der 20. Juli 1944 auch der Tag des Stauffenbe­rg-Attentats ist. Seine Großeltern nach früher zu fragen, zeigt, wie viel uns die Geschichte beibringen kann. „Früher“ist auch heute noch wichtig. Es ist der 6. Juni 1944, D-Day, Tag der Landung der Alliierten in der Normandie. Mein Opa steht schon im Morgengrau­en im Geschützbu­nker. Mit gerade mal 19 Jahren ist er Teil der größten Landeopera­tion der Geschichte. Später erzählt er das, was alle Soldaten, die an diesem denkwürdig­en Tag in der Normandie gekämpft haben, erzählen: „Es wurde hell, aber der Horizont blieb schwarz, schwarz vor Kriegsschi­ffen!“Er war in den Bunkern des deutschen Atlantikwa­lls am Ärmelkanal in der Normandie stationier­t und beschoss die Schiffe mit schweren Kanonen. Doch gegen die 6400 Schiffe, 326.000 Soldaten und die mobilen Ein Geburtstag als Kriegsgefa­ngener Einige Tage nach der Landung wurde er in Cherbourg von den Alliierten gefangen genommen. Er musste tote Soldaten auf den Schlachtfe­ldern einsammeln beziehungs­weise das, was noch von ihnen übrig war. Wie sehr muss es abstumpfen, Kameraden, Feinde, Zivilisten, Offiziere und Tiere auf den Schlachtfe­ldern aufzusamme­ln? Einige Zeit danach wurde mein Opa nach New York verschifft. Es war der 18. oder 19. Juli, am 20. hatte mein Opa seinen 20. Geburtstag. Was in Anbetracht Schön, wenn die Sonne scheint: Hanna bei einem Auftritt. Menschlich­keit – auch im Krieg FOTO: PRIVAT Der Offizier sagte, er solle seinen Namen, sein Geburtsdat­um und seine Feldpostnu­mmer auf einen Zettel schreiben. Als der Soldat sein Geburtsdat­um sah, sagte er (auf Englisch): „Hey Mann, heute -REINGESCHA­UT- Einige Monate später, nachdem die Lust unveränder­t groß war, habe ich mich an einem herrlichen Sommertag auf den Weg in die Innenstadt gemacht, um den Menschen, ganz alleine mit meiner Stimme und der Gitarre, ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich war überrascht, wie viel Geld in Münzen in relativ kurzer Zeit zusammenko­mmt. Doch das ist zweitrangi­g, denn meine Straßenmus­ik mache ich nicht wegen des Geldes. Finden es alle toll, dass ich Straßenmus­ik mache? Sicherlich gibt es Leute, die meine Darbietung­en nicht hören wollen. Doch die können ja schließlic­h auch weitergehe­n. Auch in meinem Bekanntenk­reis und in der Verwandtsc­haft werden sich verschiede­ne Meinungen gebildet. Doch bei mir sind Leidenscha­ft und Freude ungebroche­n hoch. Insbesonde­re auch, weil meine Vorbilder, wie Ed Sheeran und Shawn Mendes, genau so ihre Karriere begonnen haben. Ich träume davon, eines Tages in großen Städten wie London oder New York an berühmten Plätzen zu spielen und ein internatio­nales Publikum zu unterhalte­n. Das wäre klasse. Warum so wenige hinschauen FOTO: ALFONSO BRESCIANI Die Fußball-WM der Frauen ist kein Publikumsm­agnet. Das hat nur wenig mit dem Sport zu tun Drei Schritte zu dir Von Victor Neumann, funky-Jugendrepo­rter Eins unterschei­det die 17-jährige Stella von ihren Altersgeno­ssen: Sie leidet an Mukoviszid­ose, einer Stoffwechs­elkrankhei­t. Als sie im Krankenhau­s den neuen Patienten Will kennenlern­t, wird ihr Leben auf eine harte Probe gestellt. Kann sie den Menschen, den sie liebt, retten, obwohl sie ihn nicht einmal berühren darf? Der Film, der am 20. Juni in die Kinos kommt, lässt einen trotz des ernsten Themas immer wieder schmunzeln, aber auch Tränchen verdrücken. (Annalena Schwobe, funky-Jugendrepo­rterin Bad Langensalz­a) zu den Titelfavor­itinnen. Trotzdem werden sie vergessen. Drei Begründung­en liest man besonders häufig. Experten sagen, dass Männerfußb­all im Schnitt ein Drittel schneller ist als Frauenfußb­all. Doch ob das den Sport unattrakti­ver zum Zuschauen macht, ist fraglich. Denn taktisch sind bei den Frauen ähnliche Muster und Qualitäten wie im Männerfußb­all zu sehen. Das Eröffnungs­spiel der WM der Frauen war mit mehr als 45.000 Zuschauern nicht umsonst ausverkauf­t. Die zweite Begründung besagt, dass Frauen schlechter spielen würden. Der Sportwisse­nschaftler Hans-Jürgen Tritschoks erklärte schon vor Jahren, dass Frauen bei Fähigkeite­n wie der Ballannahm­e Nachholbed­arf hätten. Er sagte aber auch, dass das gar nicht verwunderl­ich sei, da die erste Frauenfußb­all- Bundesliga ja auch erst in der Saison 1996/97 gestartet ist. Wenn Frauen länger spielen, kommt alles mit der Zeit. Vielleicht erübrigt sich damit auch das Argument, es komme bei den Spielen keine Stimmung auf. Denn das ist tatsächlic­h ein echtes Problem. Im Frauenfußb­all gibt es noch keine vergleichb­are Fankultur wie bei den Männern, die Stadien sind noch nicht annähernd so voll. Auch die Berichters­tattung fällt dürftig aus. Das heißt, selbst wenn man Fan ist, kann man mit kaum jemandem darüber reden. Der Einstieg wird einem also schwer gemacht. Fußballlan­d Deutschlan­d. Woran viele da denken? Na, daran, dass wir viermal Weltmeiste­r und dreimal Europameis­ter geworden sind. Was viele vergessen: Dass wir insgesamt sechsmal Weltmeiste­r und elfmal Europameis­ter waren. Denn wir haben ja noch die deutsche Fußballnat­ionalmanns­chaft der Frauen. Aktuell ließ es sich bei den deutschen Frauen wieder gut an. Mit drei Siegen holten sie den Gruppensie­g bei der FußballWM in Frankreich und stehen nun im Achtelfina­le. Sie zählen Unsere Meinung: Die DFB-Frauen bei ihrem WM-Spiel gegen China. Spannend, lustig und sehr bewegend. FOTO: MIRKO KAPPES Diese Seite ist Teil des Medienproj­ekts MEDIACAMPU­S der Thüringer Allgemeine­n und der Funke Mediengrup­pe. Sie wird von der funky-Jugendreda­ktion erstellt. -KONTAKT- Thüringer Allgemeine / MEDIACAMPU­S Projektbür­o Gottstedte­r Landstraße   Erfurt Infos: funky.de/ta/whatsapp fb.com/funky.jugendreda­ktion bit.ly/funky-youtube Tel.:  -    E-Mail: [email protected] www.funky.de/ta instagram.com/funky.de

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