Kurier (Samstag) : 2018-12-08

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wurde ein Ersatzbau notwendig.“Permafrost ist eine große Herausforderung. Gebäude müssen nämlich so geplant sein, dass die Wärme im Inneren bleibt und den ohnehin durch den Klimawandel gefährdeten Permafrost nicht zusätzlich auftaut. Dazu kommt, dass vor Baubeginn mit Probebohrungen die Geologie des Geländes genau erforscht werden muss: handelt es sich umfesten Fels oder nur um Geröll, das durch das Eis zusammengehalten wird? Peter Kapelari: „Bauwerke werden daher mit Anker oder tiefen Stützen im Boden fixiert, sodass sie beim Schmelzen des Permafrostes nicht abrutschen können.“Da es in vielen höheren Lagen weder Kanal-, Wasser- noch Stromanschluss gibt, werden beim Alpenverein Hütten so geplant, dass sie autark funktionieren: Das gelingt mit Solarpaneelen an der Fassade, Klär- und Wasseraufbereitungsanlagen müssen mitbedacht werden. Peter Kapelari: „Bei den meisten Ersatzbauten erhöhen wir die Bettenkapazität nicht. Allerdings werden die Hütten größer, weil sich die Baubestimmungen hinsichtlich Fluchtwege, Personalunterkünften und Brandschutz geändert haben.“ In Extremlagen auf mehreren tausend Metern ist Bauen freilich eine ganz spezielle Angelegenheit: Alle Baumaterialien müssen tausende Höhenmeter zurücklegen und die Bausaison dauert nur von Ende Mai bis Anfang November. Auch die Bauphase von „007 Elements“war äußerst zäh. Die Baumaterialien wurden über die enge Gletscherstraße auf den Gipfel gekarrt. Dann gab es einen Wettereinbruch, mitten im Sommer fiel Schnee. „Wir brauchten drei Tage, um den Schnee zu räumen, erst dann konnten die Arbeiter wieder fahren“, erinnert sich Jakob Falkner, Chef der Bergbahnen Sölden. Noch dazu setzte der Winter früher ein als sonst. Daher mussten die letzten Bauteile per Hubschrauber hinauf gebracht werden. „Die Arbeiter haben bei Minus 28 Grad noch betoniert. Wir waren an der Grenze.“Doch das Vorhaben gelang: „007 Elements“ist heute die einzige James Bond-Erlebniswelt dieser Größe rund um den Globus. 007 Elements, Tirol obermoser arch omo inszeniert James Bond auf 3000 Metern Seehöhe Ein Museum auf einem Gipfel in den Ötztaler Alpen? Dieses außergewöhnliche Vorhaben hat der Architekt Johann Obermoser heuer realisiert. Am Gaislachkogel auf etwas mehr als 3000 Metern Seehöhe errichtete die Gemeinde Sölden „007 Element“– die Welt von James Bond, dem berühmtesten Geheimagenten der Welt. Der Anlass dafür war der 24. Bond-Film mit dem Titel „Spectre“, bei dem Filmszenen 2015 am Gaislachkogel, dessen Bergrestaurant „iceQ“und den Berghängen gedreht wurden: mehrere Range Rover rasen die steile Gletscherstraße in einer Verfolgungsjagd talabwärts und Hauptdarsteller Daniel Craig verfolgt die Autos in einem Flugzeug. „Die Idee war, aus dem Bond-Drehort am Gaislachkogel etwas Außergewöhnliches zu machen“, sagt Jakob Falkner, Chef der Söldner Bergbahnen. So wurde in Zusammenarbeit mit der britischen Filmproduktionsfirma „007 Elements“geplant. Heuer wurde die multimediale James-Bond-Welt auf 1200 Quadratmetern – 80 Prozent davon liegt im Berg – eröffnet. Die Architektur ist wie aus dem Film selbst: kühl, brutal, archaisch. Diese Atmosphäre wird vor allem mit den verwendeten Materialien Glas, Beton und Stahl erzeugt. Auch, dass das Museum nicht geheizt wird, trägt zu einer abenteuerlichen Stimmung bei. „Die Platzierung der Fenster ist so gewählt, dass die Besucher das Gefühl haben, eine Lawine bricht gleicht herein“, so Obermoser. Der größte Bauherr im hochalpinen Gelände ist der Alpenverein. Mehr als 500 Hütten besitzt und verwaltet der Alpenverein. Allerdings ist die Neuerschließung des Gebirges mit neuen Unterkünften seit 1923 faktisch abgeschlossen. Lediglich Zu- und Ersatzbauten werden getätigt – jedes Jahr bei ein bis zwei Objekten. Für größere Vorhaben wird ein geladener Architekturwettbewerb ausgeschrieben. „Die oberste Prämisse sind einfache und funktionale Hütten“, so Peter Kapelari, Abteilungsleiter beim Österreichischen Alpenverein. Ersatzbauten werden oft nötig, weil die Hütten in die Jahre gekommen sind. So wie die Seethalerhütte über der Dachstein-Südwand in Oberösterreich. 1929 direkt am Fels errichtet und mehrmals erweitert, tat sich in den vergangenen Jahren unter der Hütte durch das Schmelzen des Permafrostes ein Spalt auf. Kapelari: „Schon allein aus diesem Grund Und wie reagieren die Bergsteiger darauf, dass urige Holzhütten modernen Bauten weichen? „Manche sind nostalgisch. Doch moderne Bauten haben den Vorteil, dass sie von der Wärmedämmung um ein Vielfaches besser sind und dass man auch schöne Panoramafenster hat“, meint Kapelari. Wenn draußen ein Schneesturm tobt, dann wird nirgendwo sonst als in einer Berghütte deutlicher: Architektur diente seit jeher als Schutz vor der Natur. Dieses Verständnis dreht sich nun um. Beim Bauen in den Bergen muss mitgedacht werden, wie die Natur vor den Menschen geschützt werden kann. Das Dilemma daran: Die Touristen kommen auch wegen der Architektur in die Berge. Am Drehort des 24. Bond-Films „Spectre“am Gaislachkogel in Sölden entstand eine multimediale Welt rund den berühmten Geheimagenten « 9

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